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Aktuelles/Presse


 

30.10.2006 Lausitzer Rundschau
Spritziges und kulinarisches Vergnügen am Inselteich
Hunderte Gäste beobachten die Petkampsberger Fischer bei der Arbeit


Eddi Neuhaus (69) schaut interessiert den Fischern bei der Arbeit zu, schießt ab und zu ein Foto von ihnen und schwärmt: „Eine super Sache, die Fischer so hautnah zu erleben. Seit 40 Jahren lebe ich jetzt in Lübben, noch nie aber war ich beim Abfischen dabei.




Foto: Andreas Staindl
Fischer schütten die Ernte in den Behälter mit der Gewichtsanzeige. Anschließend wird die zappelnde Fracht auf den LKW verladen. Hunderte Besucher haben am Wochenende das Abfischen am Großen Inselteich bei Schlepzig verfolgt.
“ Am Wochenende war Gelegenheit dazu. Die Teichwirtschaft Petkampsberg hatte zum Abfischen des „Großen Inselteiches“ bei Schlepzig eingeladen und erneut ein Volksfest daraus gemacht.
Hunderte Besucher sind gekommen, Parkplätze im Umfeld des Teiches heiß begehrt. Wie ein Magnet zieht das 13. Fischerfest Gäste an. „Eine Freundin hatte mir davon erzählt und mich neugierig gemacht“, sagt Sandra Braun. Die Berlinerin war eifrig mit ihrer Kamera unterwegs und von der Arbeit der Fischer fasziniert. „Ich hatte keine Ahnung, was Abfischen eigentlich bedeutet, welche Arbeit dahinter steckt. Jetzt aber sehe ich Fisch mit ganz anderen Augen.“
Das Abfischen ist Arbeit und Schau zugleich. Während die Fischer das Netz durch das Wasser ziehen, anschließend die Fische sortieren, schauen ihnen die Besucher auf die Finger. „Ist das ein Prachtexemplar!“, ruft Konrad Dunkel plötzlich und stubst seinen Nebenmann an. „Ist das ein Hecht, ein Zander« Egal, auf jeden Fall ein ziemlicher Brocken.“
Auch Dunkel war aus Berlin nach Schlepzig gekommen. „Ich bin schon zum dritten Mal hier und jedes Mal aufs Neue fasziniert. Wann sieht man schon einmal original, wie die Fische geerntet werden, die wir später im Geschäft kaufen können»“, erklärt Konrad Dunkel seine Neugier.
Vor allem Karpfen zappeln in den großen Behältern, aber auch Zander, Barsche und Hechte. Ein spritziges Vergnügen für die Zuschauer. Erst steigen die Fischer mit Wathose und schützender Jacke in das hüfthohe Wasser. Die Männer gehen langsam rückwärts und ziehen mit langen Stangen das Netz hinter sich her. Die Anstrengung ist ihnen deutlich anzusehen. Eddi Neuhaus ist beeindruckt, sagt: „Alle Achtung, 50 Tonnen Fisch rauszuholen, ist doch ein ganz schönes Stück Arbeit.“ Der Lübbener war mit Freunden per Fahrrad nach Schlepzig gekommen und „total begeistert. Die Tour hat sich gelohnt.“
Etwa 15 Minuten brauchen die Fischer, um das Netz durch das Wasser zu ziehen. Dann befestigen sie es am Rand. Jeder Handgriff sitzt, trotz neugieriger Blicke zahlreicher Zuschauer. Es spritzt und patscht, dann werden die ersten Fische sichtbar. Ein kleiner Kran mit einem Netz hebt die lebende Ernte auf die Sortierstrecke, eine Art Laufsteg für die zappelnde Fracht. Sortiert wird nach Fischart und Gewicht. Karpfen von eineinhalb bis zwei Kilogramm werden durchgewunken, anschließend mit einer Art Fahrstuhl in das Behälterfahrzeug und später zu den Kunden in die Geschäfte befördert.
Ein Teil der Fischernte wird direkt vor Ort verkauft. Das Interesse daran ist riesig. „Ich habe eine Stunde angestanden, doch das war es mir wert“, erzählt Sandra Braun, „schließlich will ich heute Abend frischen Fisch essen.“ Eddi Neuhaus wollte nicht mehr bis zum Abend warten, sondern gleich an Ort und Stelle „leckeren Fisch genießen. Auch deshalb bin ich ja schließlich hier.“ Viele andere Besucher schleppen beutelweise Fisch in allen Variationen mit nach Hause. Die kleinen Fische dagegen werden aussortiert und erhalten eine Galgenfrist. Sie sollen im Teich noch ein Jahr wachsen und sich beim nächsten Fischerfest erneut präsentieren.
Mit 56 Hektar ist der „Große Inselteich“ der größte der 22 Teiche mit insgesamt 250 Hektar Fläche, die die Petkampsberger Fischer bewirtschaften. Das Gros der Karpfen wird zu Weihnachten verkauft. „Ich freu’ mich schon richtig darauf“, sagt Sandra Braun, „seit heute noch ein bisschen mehr als sonst.“

Andreas Staindl


2.10.2006:

Der Landesfachbeirat für die Gewährung des Titels

"Staatlich anerkannter Erholungsort"

hat einstimmig die Bewerbung empfohlen!

 

 

30.08.2006 Lausitzer Rundschau
Schlepziger Bauprojekt startet später
Kahnfahrt soll trotzdem dieses Jahr fertig werden

Der Bau der Kleinen Kahnfahrt in Schlepzig beginnt später als ursprünglich vorgesehen. Eigentlich sollte das Projekt bereits seit Ende August realisiert werden. Aber der Start verzögert sich.

Laut Jens-Hermann Kleine, Direktor des Amtes Unterspreewald, gibt es Verzögerungen aufgrund zusätzlicher Anregungen seitens der Arbeitsgemeinschaft, die extra für das Projekt gebildet worden war, und einer Einwohnerversammlung. Unterschiedliche Auffassungen habe es insbesondere bei der Höhe der Brückenkonstruktion gegeben. Dadurch sei es auch zu verspäteten Ausschreibungen gekommen. So findet die Submission für den Straßenbau erst am 18. September und für Brücke sowie Schleuse Anfang Oktober statt.
Zu einem neuen Termin für den Baustart will sich Kleine nicht äußern. Dennoch sei er überzeugt, dass die Arbeiten bereits Ende November 2006 abgeschlossen sind. Denn bis dahin müssen die rund 300 000 Euro Fördermittel, circa drei Viertel der Gesamtsumme, verbaut sein.

Torsten Richter

9.08.2006 Lausitzer Rundschau
Alte Schlepziger Sirene funktioniert noch
Ausstellung im historischen Feuerwehrgerätehaus

Die erste pferdebespannte Handdruckspritze Schlepzigs ist heute der Mittelpunkt einer Ausstellung im alten Feuerwehrgerätehaus. Die Wehr war am 7. Oktober 1928 in der Gaststätte Tennert gegründet worden. 14 Kameraden nahmen damals den Dienst auf.

1930 wurde das Feuerwehrgebäude eingeweiht, erzählt Günter Schlesinger den Gästen, die den Besuch des Dorffestes am Wochenende mit einem Abstecher in die Ausstellung verbanden. Während die Jüngeren vor allem die historische Strahlrohrsammlung interessierte, blickten die Älteren in die Schaukästen, in denen die Entwicklung der Wehr dokumentiert wird. So ist zu lesen, dass die Schlepziger ihren ersten Einsatz im benachbarten Dürrenhofe bei einem Scheunenbrand hatten. Bauer Robert Henschelchen musste seine Pferde vor die Handdruckspritze spannen, die damals ihre «Feuertaufe» erhielt.
Ernst Schiela kennt jedes Stück der Ausstellung, ob es die Tragkraftspritze aus dem Jahr 1929 ist oder die Sirene auf dem Dach des Feuerwehrhauses, die noch immer funktionstüchtig ist. «Ich glaube, dass es die älteste noch funktionstüchtige und im Einsatz befindliche Feuerwehrsirene in Deutschland ist» , sagt der Schlepziger. Sie stamme aus den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Die Ausstellung im alten Feuerwehrhaus, das sich unweit des Bauernmuseums befindet und am Schlauchturm zu erkennen ist, hat keine festen Öffnungszeiten. «Wir bemühen uns, dass an den Wochenenden die Pforten offen stehen» , sagt Karin Kappus von der Touristinformation. Wer nicht vor verschlossener Tür stehen möchte, sollte einen Besuchstermin mit der Touristinfo vereinbaren (Tel. 0335472/640 25). (fs/dh)

Schon wieder Geschichte: Der Kahnkorso zum diesjährigen Dorffest

 

Die parlamentarische Sommerpause im Potsdamer Landtag nutzt der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Günter Baaske, zu Besuchen in allen Regionen Brandenburgs. Vor wenigen Tagen führte ihn seine "Wandertour" in den Spreewald. Begleitet wurde Baaske vom Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Danckert und der SPD-Landtagsabgeordneten Sylvia Lehmann.

 

Nach der Besichtigung der Brauerei diskutierten die SPD-Politiker mit dem Amtsdirektor, Vertretern der Gemeinde und des Kahnfährvereins und dem Geschäftsführer des Spreewaldvereins aktuelle Probleme der touristischen Entwicklung der Region. Ein Thema dabei war der Bau eines Radweges entlang der Bundesstraße 197, für den sich insbesondere die Vertreter des Amtes stark machen. Günter Baaske lobte das Engagement aller Beteiligten. Es sei wichtig, dass sich die verschiedenen touristischen Anbieter auf ein einheitliches Auftreten verständigen. Nur so können Urlauber in die Region gelockt werden. Ziel bleibt es, die Zahl der Gäste zu erhöhen, die längere Zeit im Spreewald verbleiben. Für sie muss ein attraktives Angebot entwickelt werden, was nur gemeinsam gelingen kann. (S. Lehmann)

29.07.2006 Lausitzer Rundschau
Schlepziger feiern auf die feurige Art
Dorffest steigt am nächsten Wochenende

An den Gurkentag im vergangenen Jahr wollen die Veranstalter des Schlepziger Dorffestes am kommenden Wochenende anknüpfen. Das teilt Frank Kuban von den Organisatoren mit.


Die Band «Cora» soll den Gästen in Schlepzig am Sonntag, dem 6. August, unter anderem mit ihrem Hit «Komm, wir fahr‘n nach Amsterdam» einheizen.
Vor diesem Hintergrund steht die dreitägige Veranstaltung unter dem Titel «Feuer über Schlepzig» und hat neben traditionellen Auftritten des örtlichen Heimatvereins und des Hinterbackofenballetts viel Musik und prominente Gäste im Programm. Dieses soll, haben sich die Organisatoren vorgenommen, «besser werden als beim Gurkentag im vergangenen Jahr» , so Kuban.
Den Auftakt wird die Band «Forpex» machen, informiert Frank Kuban, die am Freitagabend, dem 4. August, aufspielen wird. Beginn ist um 20 Uhr. «Forpex tritt in die Fußstapfen der bekannten Rockband ,Six‘» , sagt Kuban, der mit dem Konzert vor allem die Jugend ansprechen will.
Am Samstag geht das Fest um 12 Uhr weiter mit Auftritten des Schlepziger Heimatvereins, mit einem Programm der dortigen Kita und des Hinterbackofenballetts. Um 15.15 Uhr ist der Auftritt von Achim Mentzel geplant. «Wir fanden, ein Volksmusiknachmittag im Spreewald passt immer» , so Kuban. Anschließend werde Tom Buscha auftreten, ehe gegen 17.30 Uhr eine «Überraschung aus dem Nachbarort» angekündigt ist, die Kuban nicht verraten will.
Gegen Abend sollen Kerzen, Lichterketten und Fackeln auf Holzstützen im Wasser romantische Stimmung verbreiten. Um 20 Uhr spielt die Band «Zollfrei» auf, der eine erotische Feuershow folgt. «Viele Tänzerinnen werden mit dem Feuer spielen» , erklärt Kuban.
Am Sonntag geht es laut Programm um 12 Uhr weiter. Um 14 Uhr beginnt der Kahnkorso, für den Schlepzig in den vergangenen Jahren über die Region hinaus bekannt geworden ist. Anders als in den vergangenen Jahren soll das Fest damit aber nicht abgeschlossen werden, informiert Kuban. Der DDR-Schlagerstar Maja Katrin Fritsche ist um 16.30 Uhr angekündigt, ehe Tom Buscha nochmals Musik macht und ab 20 Uhr ein Andrea-Berg-Double sowie die Band «Cora» auf dem Programm stehen. Geplant ist gegen 23 Uhr am Sonntag ein Feuerwerk. Allerdings warten die Organisatoren noch ab, wie sich die Wetterlage entwickelt. Bei der anhaltenden Trockenheit seien zwar Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen – die Feuerwehr stehe bereit, und das Gras auf dem Feld gegenüber dem Hafen sei komplett abgemäht –, aber dennoch werde den Empfehlungen der Behörden gefolgt, so Kuban. (is)

19.07.2006 Lausitzer Rundschau
Ende August rücken die Bauarbeiter in Schlepzig an
Mit Bau der Kahnfahrt soll die Alte Lübbener Straße erneuert werden


Das Projekt Kleine Kahnfahrt in Schlepzig, das Touristen und Einheimischen einen Rundkurs auf dem Wasser durch das Unterspreewald-Dorf ermöglichen soll, soll trotz mancher Schwierigkeiten umgesetzt werden. Der Landkreis hat grünes Licht erteilt, die Planungen werden konkreter, und in wenigen Wochen soll der Baustart erfolgen.




Voraussichtlich am 21. August sollen die Bauarbeiten für die Kleine Kahnfahrt beginnen. Zunächst werde die Alte Lübbener Straße saniert, sagte Michaela Schudek, Bauamtsleiterin im Amt Unterspreewald. Nach Prüfung des Unterbaus erhalte die bisherige Schotterpiste eine Asphaltschicht. Seit vergangenen Freitag laufe für dieses Teilprojekt die Auschreibung, so Schudek. Über die Alte Lübbener Straße sollen die Grundstücke in der Dammstraße erreichbar bleiben, wenn laut Planung wenig auf ihr die Baufahrzeuge rollen.

Arbeiten am Freifließ ab September
Mitte bis Ende September sollen der Bauamtsleiterin zufolge die Arbeiten auf dem rund 350 Meter langen Bauabschnitt der Alten Lübbener Straße beendet sein. Dann sollen die Arbeiten am neuen Brücken-Schleusenbauwerk sowie am Freifließ selbst beginnen. Ein Termin vor Ort mit den das Vorhaben genehmigenden Behörden sei sehr konstruktiv verlaufen, sagt Michaela Schudek. Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine ist optimistisch: «Ich denke, je weiter das Projekt voranschreitet, desto mehr werden die Befürchtungen der Anwohner schwinden.»

Schlepziger fürchten um Dorfansicht
Einige Schlepziger hatten Skepsis gegenüber der neuen Brücke am Beginn des Freifließes geäußert (die RUNDSCHAU berichtete). Diese würde ihrer Meinung nach die historische Ansicht der Dammstraße versperren. Die maximale Brückenhöhe über Oberkante der Straße soll 70 Zentimeter betragen, sagt Michaela Schudek. «Hier ist aber bislang noch gar nichts festgeschrieben.»
Das Amt Unterspreewald, weitere Behörden und andere Schlepziger erhoffen sich von der Kleinen Kahnfahrt einen weiteren touristischen Aufwärtstrend sowie einen ökologischen Vorteil. «Wir schlagen damit mehrere Fliegen mit einer Klappe» , sagt Michaela Schudek. «Das Wasser im Freifließ beginnt wieder zu strömen, außerdem kann es im Brandfall zum Löschen verwendet werden.»
Der Landkreis hat unterdessen den zweiten Beschluss der Gemeinde zur Durchführung der Maßnahme genehmigt. Die Kommunalaufsicht erklärte in ihrem Bescheid dazu: «Es stehen keine Gründe des öffentlichen Wohls dagegen.» Fördermittel in Höhe von rund 300 000 Euro für die Kleine Kahnfahrt hat Schlepzig bereits erhalten.
Der erste Beschluss der Schlepziger Gemeindevertreter zum Bau der Kleinen Kahnfahrt war von der Kommunalaufsicht des Kreises als unwirksam erklärt und die Mehrzahl der Abgeordneten für befangen erklärt worden.
Der Auftrag für die Bauarbeiten sei dem Planungsbüro IPP Hydro Consult GmbH aus Cottbus erteilt worden, so Michaela Schudek. Derzeit fänden Einzelgespräche mit den Anwohnern zum Projekt statt. Ende November dieses Jahres soll das insgesamt rund 400 000 Euro teure Vorhaben fertig sein.

Zum Thema Schlepziger Rundkurs
Die Kleine Kahnfahrt wird voraussichtlich auf einem 1,35 Kilometer langen Rundkurs durch die Schlepziger Dorfmitte führen. Aus diesem Grund soll das Freifließ als Erweiterung der Hauptspree ausgebaut werden. Außerdem entstehen der Planung zufolge in der Dammstraße ein Brücken-Schleusenbauwerk sowie ein Fischpass. Darüber hinaus sollen die Schleuse Posslings Eckchen umgebaut und die Anlegestelle an der Hauptspree selbst wieder hergestellt werden.



Von Torsten Richter

12.07.2006

Hoher Besuch

und eine große Ehre.

Helmut Schmidt in Schlepzig.

 

26.06.2006 Lausitzer Rundschau
Eine Idealfigur für Schlepziger Heuschober
Beim Schoberfest im Museum kamen Jung und Alt ins Schwitzen


Bei 30 Grad Hitze einen Heuschober zu bauen oder Holz zu hacken, trübt auch dem härtesten Zeitgenossen schon mal die Laune. Nicht so den Mitgliedern des Schlepziger Heimatvereines. Sie sind am Samstag frohgelaunt ans Werk gegangen, um beim zehnten Schoberfest im Bauernmuseum Großmutters Zeit vor den Augen der Besucher aufleben zu lassen.





Foto: Anke Richter
Pause im Schatten: Der sengenden Sonne wirken die Schoberbauer mit kühlen Getränken sowie mit einem stärkenden Picknick mit Pellkartoffeln und Quark entgegen.
Immer im Kreis herum geht es für Rike Muckwar. Die 23-Jährige muss das Heu auf dem langsam wachsenden Schober festtreten. Dicke Wollsocken schützen ihre Beine vor den piksenden Halmen. «Ich bin zum ersten Mal dabei und es macht Spaß» , sagt sie. «Den Samstag so zu verbringen, ist mal was ganz anderes.»
Ein kritisches Auge wirft Ernst-August Lehmann auf den Schober. Als ältester und erfahrenster Schoberbauer packt er das Heu oben um die Stange herum. «Unten schmal halten, nach einem Meter Höhe breiter werden und ab der Hälfte wieder schlanker» , beschreibt der 65-Jährige die Idealfigur eines Schobers. Ob der diesjährige diese hat, «dass muss ich mir dann von unten beschauen» , ruft er vom Schober herab, während er die nächste Gabel voller Heu abnimmt. Die werden ihm von den jüngeren Vereinsmitgliedern hoch gereicht.
Ein schattiges Plätzchen haben die Spinn- und Strickfrauen unter dem Vordach des alten Bauernhauses. Stets umringt von einer Traube Besucher lassen Elli Brischke, Ehrentraud Scherch und Edith Baatz die Räder beim Flachsspinnen surren. Für Aufsehen sorgt die ausgestellte «Reizwäsche» , die den Gästen einen kleinen Einblick in die Hochzeitsnacht von Elli Brischkes Mutter gibt. «Das Unterhemd aus feinem Flachs hat sie 1929 zu ihrer Hochzeit getragen» , verrät die 77-Jährige. Sie halte es in Ehren, hole es nur zum Schoberfest hervor.
Bei Andreas Jurk geht es Schlag auf Schlag zu. Er übernimmt seit zehn Jahren beim Schoberfest die Vorführung des Holzhackens. «Als gelernter Fleischer kann ich mit einer Axt umgehen» , sagt Jurk. Mit seinen 86 Jahren ist Armin Janisch der älteste Akteur beim Fest. Der Neu Lübbenauer zeigt den Besuchern, wie eine Sense gedengelt wird. Tack, tack, tack – kleine Hammerschläge sausen auf das Schneideblatt nieder. «Ohne ein gutes Auge geht nichts» , sagt Janisch und zeigt auf die kleinen Dellen und Wellen am Schneideblatt. «Die muss ich rauskriegen, so dass die Schneide eine gerade Linie wird.» Für seine Vorführung hat er sich ein besonders schwieriges Exemplar herausgesucht. «Die Sense wurde seit 20 Jahren nicht mehr gedengelt» , sagt er.
Auch der Nachwuchs des Heimatvereines packt kräftig mit an. Die zehnjährige Laura Putschke stampft eifrig im Wäschezuber herum, während Mutter Anke Putschke und Heike Noah die Wäsche über dem Waschbrett schrubben und zum Auswringen durch die Mangel drehen. Dabei sind die beiden Frauen froh, dass sie zu Hause eine Waschmaschine haben.
«Es ist alles sehr interessant und das Museum ist toll» , loben Hannelore und Hans-Georg Brackmann. Die beiden sind aus Niedersachsen zu Besuch im Spreewald. Karl-Heinz Hoppert aus Sachsen sagt: «Es ist toll, dass die jungen Leute integriert werden und so die Traditionen fortleben.»

von Anke Richter

08.06.2006 Lausitzer Rundschau
Schlepziger fürchten um Dorfansicht
Kahnfahrt-Projekt stößt auf Bedenken / Mehr Mitwirkungsmöglichkeit gefordert

Antje Mühle hat viel Zeit, Kraft und Geld in die Sanierung eines denkmalgeschützten Fachwerk-Hauses in der Schlepziger Dammstraße gesteckt. Damit hat sie sich ein schönes Zuhause geschaffen und für das Dorf einen Hingucker. Nun fürchtet sie, dass das kleine Haus hinter der Brücke und der Schleuse, die im Zuge des Vorhabens «Kleine Kahnfahrt» geplant sind, verschwindet. Sie ist nicht die einzige Schlepzigerin, die Bedenken gegenüber dem Projekt äußert.





Foto: Dörte Hellwig
Dörfliche Spreewaldidylle vermittelt der Anblick des Fachwerkhauses von Antje Mühle an der Schlepziger Dorfspree. Nicht nur die Besitzerin befürchtet, dass die geplante Schleuse diese Sicht verstellen wird.
Antje Mühles Haus steht ganz dicht an der Dammstraße. Die ist an schönen Tagen, wenn die Touristen durch Schlepzig strömen, viel befahren und begangen. Auf der Rückseite des Hauses fließt die Dorfspree vorbei, die dann von Kähnen und Paddlern bevölkert wird. «An das Getümmel bin ich gewöhnt» , sagt die Schlepzigerin. Wenn jetzt jedoch kurz vor dem Haus eine Brücke über und eine Schleuse in das Freifließ gebaut werden sollen, das hier in die Dorfspree mündet, «wird die Situation noch verschärft. Unter anderem, weil die Paddler an der Schleuse aussteigen werden.» Sie glaube, «dass von dem Haus nix mehr zu sehen sein wird» .
Auch der Inhaber der benachbarten Gaststätte «Zur Reuse» , Rene Draßdo, ist der «Kleinen Kahnfahrt» gegenüber skeptisch. Bauarbeiten habe er gerade vor wenigen Jahren erlebt, als die Brücke über die Dorfspree saniert wurde. «Das war notwendig, aber hat das Geschäft beeinträchtigt.» Er befürchtet zudem Probleme beim Ein- und Ausfahren der Kähne in die geplante Schleuse. Dann könnte es sehr eng auf der Dorfspree werden, weil der Kahn deren gesamte Breite für das Manöver brauche. Hinzu komme, so Draßdo, dass die Schleuse auf der einen Seite der Gaststätte von der anderen Seite her bedient werden soll. Das werde regen Verkehr geben, den er seinen Gästen nicht wünsche.
Die nögliche Gefährdung schöner Ansichten führte Gottfried Vogler während der Gemeindevertretersitzung vorgestern Abend an. Der einstige Bürgermeister sagte, «dass wir ein Panorama geschaffen haben, bei dem wir uns über jedes sanierte Fachwerkhaus gefreut haben.» Das werde jetzt zunichte gemacht, indem etwas «davorgeklatscht» werde. Wie andere, die ihre Bedenken vortrugen, betonte er, nicht generell gegen das Projekt zu sein. Aber er habe den Eindruck, dass Tatsachen geschaffen werden, ohne die Einwohner einzubeziehen und dass deren Hinweise ungenügend berücksichtigt würden.
«Es fehlt uns an breiter Öffentlichkeit» , sagte Thomas Fischer der RUNDSCHAU. Der Zeitdruck behindere «eine ausgereifte Lösung für ein wirkliches Wir-Projekt» . «Wir sind keine Gegner» , fügte Dietmar Andreck an, «es geht uns darum, dass mit uns Anliegern gesprochen wird, um Alternativen zu suchen.»
Ihre Bedenken hatten Anwohner bereits bei einer Einwohnerversammlung am 22. Mai vorgebracht. Aus deren Protokoll geht hervor, dass die Anlieger einige Tage vorher zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen worden waren. Aufgelistet sind in dem Protokoll die vorgebrachten Bedenken. Festgeschrieben ist in ihm auch der Vorschlag des Gemeindevertreters Torsten Römer, Anlieger und Interessierte in die Planung im Rahmen einer Projektarbeitsgruppe einzubeziehen. Er forderte während der Gemeindevertretersitzung vorgestern, Schleuse und Brücke «sichtachsenneutral und nur so hoch wie notwendig zu errichten» .
Aufgegriffen wurde von Michaela Schudek, Bauamtsleiterin des Amtes Unterspreewald, während der Sitzung die Anregung von Thomas Fischer, die Ausmaße der Schleuse «zu imitieren, um sich eine Vorstellung machen zu können» . Eine weitere Einwohnerversammlung solle folgen, «wenn erste planerische Ergebnisse und konkretere Kosten vorliegen» . Die Planungsleistung vergab die Gemeindevertretung vorgestern.
Was die von Antje Mühle geforderte Einbeziehung der unteren Denkmalbehörde in das Projekt betrifft, verwies die Bauamtsleiterin vorgestern und laut Protokoll auch bei der Einwohnerversammlung darauf, dass dies bereits im vergangenen Sommer festgelegt worden sei.

Info zum Thema Baubeginn im Juli
Das Projekt «Kleine Kahnfahrt» Schlepzig umfasst fünf Schwerpunkte : Bau Schleuse, Fischpass und Brücke sollen im Dammweg entstehen und das Freifließ ausgebaggert werden. Vorgesehen ist zudem, die Schleuse Posslings Eckchen umzubauen sowie die Anlegestelle in der Hauptspree neben der Gaststätte «Zur Reuse» wieder herzustellen. Mit der Sanierung der Alten Lübbener Straße soll der Anfang gemacht werden, da diese als Umfahrung während der weiteren Bauarbeiten gebraucht wird, sagte Michaela Schudek, Bauamtsleiterin des Amtes Unterspreewald. Baubeginn für die Straße werde Mitte, Ende Juli sein. Mit dem Bauende werde Anfang September gerechnet. Dann würden Brücke und Schleuse in Angriff genommen. Bis Ende November soll das Projekt abgeschlossen sein.

Nur zwei Abgeordnete nicht befangen
Gemeindevertreter beschließen erneut Fördermittelantrag / Kommunalaufsicht muss prüfen

Die Gemeindevertretung Schlepzig hat während ihrer Sitzung vorgestern Abend erneut beschlossen, dass für die «Kleine Kahnfahrt» Fördermittel beantragt werden sollen. Dieser Beschluss war bereits im Dezember des vergangenen Jahres gefasst worden.

Aber die Kommunalaufsicht des Landkreises Dahme-Spreewald habe ihn als unwirksam erklärt, erläuterte Jens-Hermann Kleine, Amtsdirektor des Amtes Unterspreewald vorgestern den Schlepziger Abgeordneten.
Aufgrund eines Bürgerhinweises habe der Landkreis den Beschluss, der mit fünf Ja- und einer Nein-Stimme gefasst worden sei, geprüft, informiert dessen Pressesprecherin Heidrun Schaaf. Von den damals sechs anwesenden Gemeindevertretern seien vier wegen Eigentums- oder Verwandschaftsverhältnissen befangen.
Für die Wiederholung des Beschlusses vorgestern blieben von sieben Anwesenden zwei, für die kein Mitwirkungsverbot wegen Befangenheit galt. Sie stimmten beide für den Fördermittelantrag.
Diese Entscheidung müsse nun von der Kommunalaufsicht geprüft werden, erläuterte Kleine. Die Gemeindeordnung sehe für den Fall, dass mehr als die Hälfte der Mitglieder der Gemeindevertretung befangen ist, vor, dass der Rest zwar beschlussfähig ist. Aber die Kommunalaufsicht könne «aus Gründen des öffentlichen Wohls» die Genehmigung versagen.
Der Zuschuss in Höhe von knapp 300 000 Euro für das Projekt, dessen Gesamtkosten auf etwa 400 000 Euro geschätzt werden, ist bereits bewilligt (die RUNDSCHAU berichtete). (dh)


07.06.2006 Lausitzer Rundschau
Mit Paul Gerhardts Schwägerin durch Schlepzig gestakt
Tour mit Pfarrwitwe, Musikus und Nachtwächter begeistert Fahrgäste und Fährmann


Paul Gerhardts Schwägerin Sabina Fromm ist am Wochenende auf Spreewälder Fließen unterwegs gewesen. Per Kahn folgte sie den Spuren des Dichters und Pfarrers, der im nächsten Jahr 400 Jahre alt würde.




Foto: Andreas Staindl
Nachtwächter Frank Selbitz unterhielt die Gäste der Kahnfahrt Samstagnacht in Schlepzig. Mit an Bord auch Paul Gerhardts Schwägerin Sabina Fromm alias Jutta Küchler sowie neben ihr Musikus Gisela Christl.

Die Lübbenerin Jutta Küchler war in die Rolle der Schwägerin, die auch Gerhardts Haushälterin in Lübben war, geschlüpft und nahm Interessierte mit auf die Zeitreise per Kahn. An Bord waren zudem Musikus Gisela Christl und Nachtwächter Frank Selbitz.
Neben ihnen saßen im Kahn von Fährmann Burkhard Henschelchen zwar nicht sehr viele. Aber für diejenigen, die mit auf Tour gingen, wurde diese Fahrt ein besonderes Erlebnis. «Eine wirklich tolle Geschichte» , schwärmte Anne Schweitzer aus Bad Liebenwerda einige Stunden später.
Auch Hiltrud Hügel aus Plessa fand die nächtliche Tour «einfach super. Die Geschichtsreise per Spreewaldkahn ist eine wirklich klasse Idee. Ich hatte mich darauf eingelassen, ohne zu wissen, was mich erwartet.»
Die beiden Frauen wollen zu Hause unbedingt von diesem Erlebnis berichten. Zu erzählen haben sie reichlich: Zu Fuß legte Nachtwächter Selbitz den ersten Abschnitt der Reise zurück, während Fährmann Henschelchen die Gäste über das Wasser stakte. Der Weg führte vorbei an der Brauerei, am Wirtshaus «Zur Reuse» und am Cafe an der Spree, einem früheren Kuhstall. Hier stimmte Frank Selbitz smit Balladen auf den weiteren geschichtlichen Streifzug ein. Er nahm nun Platz im Spreewaldkahn, der sich immer weiter von Schlepzig entfernte.
Dann kam auch Sabina Fromm ins Spiel. Jutta Küchler erzählte von Paul Gerhardt, etwa wie er von Berlin als Superintendent nach Lübben kam und was sonst noch in jener Zeit geschah. Nachtwächter Frank Selbitz nahm den Faden auf, ergänzte historische Daten und Fakten.
Die Fahrgäste waren nicht nur Zuhörer, sondern aktiv Beteiligte: Wenn Gisela Christl auf ihrem Akkordeon spielte, wurde kräftig gesungen, natürlich Lieder von Paul Gerhardt. Hinter einer Biegung in Nähe der Schleuse wartete ein Schwanenpaar mit Nachwuchs auf die fröhliche Gesellschaft. Die Tour führte vorbei am Aussichtsturm, an gelben Lilien, an Natur pur. Immer schmaler wurde die Fahrrinne, links und rechts durch saftige Wiesen begrenzt. Sich jetzt auf Paul Gerhardt einzulassen, fiel nicht schwer. «Ich bin begeistert» , sagte Rüdiger Rone. «Unsere Erwartungen haben sich voll erfüllt.» Der Fürstenwalder hatte mit Freunden die Kahnfahrt gebucht.
In der Dämmerung kam Wussegk in Sicht. Die kleine Talinsel liegt etwa 500 Meter von Schlepzig entfernt und war zu Kriegszeiten Fluchtinsel für die Einwohner. Auf Wussegk steht seit dem Jahr 1904 ein Gedenkstein, der an Johann Georg Hutter erinnert. Der Generalsuperintendent hatte den Dorfbewohnern während der schweren Kriegszeit Trost gespendet. Natürlich berichtete Jutta Küchler davon. «Wussegk war echt der Hammer» , schwärmte Jörg Meier aus Fürstenwalde später. «Ich habe den Spreewald neu entdeckt und einiges dazu gelernt.» Er wolle genauso wiederkommen wie Rüdiger Rone: «Einfach klasse, wie uns Nachtwächter, Musikus und Sabina Fromm einbezogen haben» , so Rone. Dass nach mehreren Bieren und Schnäpschen auch andere Lieder als die von Paul Gerhardt gesungen worden waren, Frank Selbitz zudem Frivoles zum Besten gegeben hatte, hatte zusätzlich die Stimmung im Kahn gehoben.
Die Nacht war längst angebrochen, als Burkhard Henschelchen den heimatlichen Hafen ansteuerte. Schon oft, erzählte er, sei er nachts über die Fließe gestakt. «Doch heute hat es mir besonders viel Spaß gemacht.» Exklusiv hatte er diese Meinung nicht. (as/dh)

Andreas Staindl

 

31.05.2006 Lausitzer Rundschau
Das passt gut
von Dörte Hellwig


Während die Fährmänner im Spreewald mangelnde Gästezahlen beklagen, wollen Schlepzigs Gemeindevertreter viel Geld in eine neue Kahnfahrt-Route durch den Ort investieren. Passt das zusammen? Sehr gut sogar.

Einen Großteil Schuld an den leeren Kähnen in diesen Wochen hat sicherlich das Wetter. An dem können die Fährmänner jedoch nichts ändern. Woran sie etwas ändern können – und das tun sie bereits seit einigen Jahren –, ist ihre Angebotspalette. Etwas Neues reizt auch die «Wiederholungstäter» unter den Spreewaldbesuchern zu einer erneuten Kahnfahrt. So werden mittlerweile etwa Lampion- und Grillfahrten offeriert. Die Gäste bald auf einer völlig neuen Route staken zu können, dürfte ein noch größerer Anreiz sein – den sich Lübbens Fährleute übrigens seit langem wünschen.
Zudem sind bei den Gästen immer öfter vergleichsweise kurze Touren gefragt. Insofern sollte sich die Investition in die Kleine Kahnfahrt in Schlepzig lohnen. Und wenn mit ihr zusätzlich Fließgeschwindigkeit in die teilweise stehenden Gewässer in Schlepzig gebracht wird, ist das noch ein weiteres Argument für das Vorhaben.


31.05.2006 Lausitzer Rundschau
Kahnfahrt in Schlepzig steht vor Realisierung
Bau muss bis Ende November abgeschlossen sein

Bis zum 30. November muss die geplante kleine Kahnfahrt in Schlepzig – eine 1,35 Kilometer lange Route durch den Ort – fertig sein.

«Bis dahin müssen wir die Fördermittel in Höhe von 299 655 Euro abrechnen» , hat die Bauamtsleiterin des Amtes Unterspreewald, Michaela Schudek, den Schlepziger Gemeindevertretern während deren jüngster Sitzung mitgeteilt.
Die Gesamtkosten belaufen sich laut Amt auf rund 400 000 Euro. Der Eigenanteil der Gemeinde in Höhe von 99 885 Euro sei gesichert. Zu dem Vorhaben hatte in der vergangenen Woche eine Einwohnerversammlung in Schlepzig stattgefunden, die gut gelaufen sei, sagte die Schlepziger Bürgermeisterin Heike Noah während der Gemeindevertretersitzung. «Während der Einwohnerversammlung hat sich gezeigt» , ergänzte die Bauamtsleiterin Michaela Schudek, «dass 85 Prozent der anwesenden Bürger dem Projekt zustimmen. Es müssen nur noch einige Dinge geklärt werden.»
Wie die kleine Kahnfahrt gebaut werden soll, interessiert vor allem die Anwohner der Dammstraße. Dort soll eine Brücke errichtet werden. «Die Anwohner sorgen sich wegen der Brückenhöhe, und dass sie ihnen die Sicht versperren könnte» , so Bauamtsleiterin Michaela Schudek.
So wurde, um die Höhe der Brücke von 1,50 Meter über dem Wasserspiegel zu verdeutlichen, ein rotes Band an geplanter Stelle über der Dammstraße gespannt. «Das hat viele beruhigt» , erklärte Heike Noah. Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine kündigte an, dass die Gemeindevertreter während ihrer Sitzung am Dienstag über den Bau der kleinen Kahnfahrt abstimmen werden. «Wenn der Beschluss positiv ausfällt, beginnt die Bauplanung und die Arbeiten werden ausgeschrieben» , so Kleine. (ar/dh)

29.05.2006 Lausitzer Rundschau
Schlepziger «Schule» hebelt Pisa-Studie aus
Spaß, Nahrhaftes und viele Eindrücke beim Maitreiben im Unterspreewald


Die Pisa-Studien-Ergebnisse gelten nicht für Schlepzig. Das hat die «Schule» des Ortes am Sonnabend auf der Bühne des Maitreibens vor gut gefülltem Hof des Bauernmuseums nachgewiesen. Der Heimatverein Schlepzig zeigte, wie es in einer speziellen Schule heutzutage zugeht – und das war nur einer der Späße des Festes.






Foto: Roland Hottas
Mit seiner Schul-Aufführung sorgte der Schlepziger Heimatverein für viel Spaß.

«Ein etwas verrückter Schultag» wurde von Mitgliedern des Schlepziger Heimatvereins auf die Bühne gebracht. Allen voran der «Oberlehrer» Ernst-August Lehmann in schwarzem Gehrock und mit dem unvermeidlichen Rohrstock. Dieser traf zwar nur die Schulbänke, wenn die Antworten «gar zu doof» waren. Aber Bauernschläue und Spitzfindigkeiten waren den «Mädchen und Jungen» mit Schiefertafeln, Schulmappen von damals und jeder Menge Unsinn nicht abzusprechen.
Nach dem «Unterrichts-Lied zur Auffrischung» – es erscholl «Im Frühtau zu Berge» vielstimmig, und manch einer traf sogar den richtigen Ton – sollten Gedichte aufgesagt werden. Der «Erlkönig» brachte das «Ottchen» mit dem Katapult in der Hosentasche arg in Schwierigkeiten. «Klassenprimus» Fritz hatte seine Version: «Wer rattert so spät durch Nacht und Wind» , ging seine modernisierte Fassung. «Siehst, Vater, du den Schupo nicht, mit Stift und strengem Gesicht?» «Fritz» endete schließlich unter dem Gelächter des Publikums: «Erreicht als Erster den Gasthof am Meer, aber der Sozius, der bleibt leer.» Trotzdem bekam er keine Eins von seinem Lehrer, der doch mehr die Klassiker liebt.
Die Schlepziger Pisa-Schüler brachten die Klassiker markant zum Vergnügen ihrer Zuschauer auf den Punkt. Schillers «Glocke» fasste «Gerda» schlicht mit «Bimbam» zusammen. Das «Gluck, gluck – weg war er» als Kurzform des Schillerschen «Taucher» von «Lieschen» kannten einige noch aus eigener Schulzeit. Neben «Biologie des Menschen» und Geschichte ( «Luther schlug seine 95 Prothesen an die Wittenberger Schlosskirche» ) trieben die Fähigkeiten in Mathematik besondere Blüten. Im Publikum glaubte wohl jeder zu wissen, was 15 plus 15 als Ergebnis hat. «Mariechen» in der Schlepziger Schule hatte ihre eigene Deutung: «Fünf Zeh’n und fünf Zeh’n sind zehn Zeh’n – also zwei Füße!»
«Wir wollten die Schule ein bisschen auf die Schippe nehmen» , sagte Vereinsvorsitzende Liane Haase der RUNDSCHAU. Vereinsmitglieder hätten sich über die vie len englischen Wörter in der Schule und auch im Alltag geärgert, und daraus habe Edith Baatz einen «Deutsch-Unterrichts-Sketch» geschrieben, der auch aufgeführt wurde. Die restlichen Sketche «drumherum» seien «nach und nach» im Verein entstanden. Viermal hätten Vereinsmitglieder geprobt – und das Ergebnis bekam viel Beifall.
20 Bleche mit Kirsch-, Streusel-, Zucker- und anderem leckeren Kuchen wurden von Heimatvereinsmitgliedern wie Cornelia Gollnick und Roswitha Posselt verkauft. Kaffee, Bratwürste und Grillsteaks gingen weg wie warme Semmeln. Die Kinder konnten mit Plastiline Figuren formen oder Gips-Plastiken bunt bemalen.
«Wenn die Schlepziger was machen, dann machen sie es gut oder gar nicht» , sagte Hartmut Lehmann von den «Schmorgurken» , die auch zu den Akteuren zählten. «Es ist ein prima Fest» , urteilte Udo Heilmann aus Hannover, der in Schlepzig Urlaubsstation machte. (-ds/dh)

Roland Hottas

24.05.2006 Lausitzer Rundschau
«Klim Bim» sorgt in Schlepzig für Feier-Schwung
Laienkapelle gründete sich während der Fastnacht


Wenn in Schlepzig gefeiert wird, dann sind die zehn Musiker von «Klim Bim» , zuweilen auch geführt unter dem Namen «Schlepziger Regimentskapelle» , nicht weit.




Foto: privat
«Klim Bim» ist aus Schlepzig nicht mehr wegzudenken.
Ob bei Fastnacht, beim Kahnfahren oder beim Maitreiben – mit Trompeten, Posaunen und Pauken sorgen sie für Stimmung.
Das ist das, was den Musikern am meisten Spaß macht: Wenn sich ihr Publikum gut unterhalten fühlt und zu Stimmungsmusik und Volkslieder mitschunkelt und mitsingt. Ein wenig Understatement darf es schon sein. Klim-Bim-Mitglied Gottfried Vogler: «Naja, wir sind nur kleine Musiker, alles Laien.» Dafür sei die Kapelle, die sich bei der Fastnacht im Jahr 1978 gegründet hat, auch mal schnell auf einen Kahn zu bekommen. Denn sie spielt ohne Mikros – wie am 27. Mai beim 11. Maitreiben im Bauernmuseum Schlepzig. (dö)

13.05.2006 Lausitzer Rundschau
Kommission prüft Erholungs-Potenzial
Schlepzig erwartet Votum Ende Juni


Es hat seinen Grund gehabt, warum in Schlepzig am Mittwochabend viele Rasenmäher einvernehmlich brummten: Hoher Besuch wurde erwartet. Eine Kommission aus Vertretern von Ministerien und Institutionen besichtigte am Donnerstag per Kahn, Rad und zu Fuß den Ort. Sie prüft nun, ob Schlepzig das Potenzial hat, Erholungsort zu werden.






Foto: Harald Friedrich
Mit einer Kahnfahrt hat der Besuch der Erholungsort-Kommission in Schlepzig begonnen. Am Landgasthof wurde zur Stärkung selbstgebrautes Bier gereicht.
«Wir haben einen guten Eindruck und das nicht nur wegen des Wetters» , bilanzierte am späten Nachmittag Martin Linsen, für das Brandenburgische Wirtschaftsministerium in der Kommission. Um 11 Uhr hatte der Landesfachbeirat für Kur- und Erholungsorte seine Tour durch den Unterspreewald-Ort begonnen. Zu ihm gehören neben Vertretern von Ministerien unter anderem der Landestourismusverband Brandenburg, das Forschungsinstitut für Kurortwissenschaft und der Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik.
Der «gute Eindruck» , so Linsen, stütze sich vor allem darauf, «dass wir auf engagierte Menschen getroffen sind, die sich bemüht haben, das Potenzial Schlepzigs vorzustellen» . Mit seiner Naturnähe habe Schlepzig ein Alleinstellungsmerkmal, das eine besondere Stimmung und Atmosphäre unterstütze.
All dies sei gut angekommen, waren sich Bürgermeisterin Heike Noah und Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine einig. Auch wenn es sehr wenig Zeit für die einzelnen Sehenswürdigkeiten gegeben habe, so Noah, habe sie doch das Gefühl, «Lust auf ein Wiedersehen» gemacht zu haben. Auf dem Besichtigungsprogramm hatten unter anderem der Kahnhafen, die Ausstellung im Biosphärenreservat und das historische Bauernmuseum gestanden. Gerade hier, bei einer kurzen Rast unter der Linde im Innenhof, sei die besondere Stimmung in Schlepzig deutlich geworden, schätzte Kleine ein.

Zum Thema Das Verfahren
Mitte Juni wird die Kommission ihre Erlebnisse in Schlepzig zusammenfassen und zu einer Empfehlung kommen, ob das Dorf das Potenzial hat, Erholungsort zu werden. Mit dieser sei Ende Juni zu rechnen, versprach Kommissionsmitglied Martin Linsen. Sie werde mit Hinweisen verbunden sein, wie die Schlepziger ihren Ort touristisch weiterbringen können. Sie müssen dann beschließen, ob und in welche Verbesserungen sie investieren wollen. Dann kann Schlepzig einen endgültigen Antrag stellen, den Status Erholungsort verliehen zu bekommen . Das kann sich möglicherweise bis zum nächsten Jahr hinziehen.



Von Ingvil Schirling

11.04.2006 / Dahme-Spreewald Märkische Allgemeine
"Wer es schon mal probiert hat, kommt schnell wieder rein"

Erster Workshop für "Line Dance" / Gastgeber erwarten Teilnehmer aus ganz Deutschland / Weltmeister als Trainer verpflichtet

LÜBBEN Mehr als 500 Linedancer werden Mitte Juni in Lübben erwartet. Die Gruppen "Crazy Dancer" aus Schlepzig und "Only Country" aus Leibchel veranstalten das erste große Linedance- und Workshop-Wochenende im Spreewald. Wer teilnehmen möchte, kann sich jetzt anmelden.

"Wir rechnen mit Teilnehmern aus ganz Deutschland", sagt Sigrid Krupsky, die Chefin der "Crazy Dancer". Die Veranstaltung in Lübben wird nach ihren Angaben landesweit die größte sein. Sigrid Krupsky ist überzeugt, dass das geplante Wochenende hunderte Linedancer lockt: "Die Szene ist ziemlich groß", sagt die 47-Jährige. Sie schätzt, dass in den vergangenen Jahren allein im Spreewald weit mehr als 1000 Leute an Line-Dance-Kursen teilgenommen haben. Die Leute sind heiß auf gemeinsame Begegnungen", sagt Krupsky.

Geplant sind an dem Wochenende 15 Workshops, die auf Vorkenntnisse der Teilnehmer aufbauen. "Wer schon früher mal an einem Kurs teilgenommen hat, kommt schnell wieder rein, die anderen können gern zuschauen und mitmachen", sagt Krupsky.

Für die Workshops hat sie professionelle Trainer verpflichtet. Erwartet werden die Weltmeister Susanne Schalewa und Gerd Wollschläger, dazu weitere Spitzentänzer wie "Johnny Two Step" aus England. "Für jeden Anspruch ist etwas dabei, auch neue Tänze werden gelernt", verspricht Sigrid Krupsky. Sie selbst trainiert einmal pro Woche mit ihrer Gruppe. Das Gros der Mitglieder ist zwischen 30 und 60 Jahre alt. "Wir sind aber auch für den Nachwuchs interessant", sagt die Chefin. "Line-Dance ist nicht nur Country, wie manchmal vermutet wird. Wir tanzen auch nach modernen Disco-Hits und Volksmusik."

Neben den Workshops wird es auch eine große Samstagabendshow mit "Scarlett & Band" geben. Veranstaltungsort ist die "Three-Oak Ranch" in Lübben, wo Teilnehmer laut Organisatoren auch campen können. as

Line-Dance-Workshop in Lübben, 16.-18. Juni, Informationen: www.spreewald event.de, Anmeldung: (035472) 51 56.



30.03.2006 Lausitzer Rundschau
Schlepzigs Haushalt ist ausgeglichen
Eigenanteil für kleine Kahnumfahrt ist gesichert

Die Gemeinde Schlepzig hat für das laufende Jahr einen ausgeglichenen Haushalt. 717 000 Euro weist der Verwaltungshaushalt auf, 486 400 Euro stehen im Vermögenshaushalt für Investitionen zur Verfügung. Aus dem Investitionstopf sind 100 000 Euro für den Bau der kleinen Kahnumfahrt vorgesehen. Das teilte die stellvertretende Kämmerin Marion Klee vom Amt Unterspreewald bei der jüngsten Gemeindevertretersitzung mit. Die Haushaltssatzung billigten die Gemeindevertreter einstimmig.

Die Deckung des Eigenanteils am Verwaltungshaushalt wurde durch Rücklagen von 53 300 Euro aus dem Vermögenshaushalt erreicht , erläuterte Marion Klee das Zahlenwerk. Außerdem sei für dieses Jahr keine Abwasserumlage der Gemeinde an den Trink- und Abwasserzweckverband (TAZ) in die Kalkulation eingeflossen.
Diese Umlage ist für dieses Jahr sehr unwahrscheinlich und wurde schon im vergangenen Jahr nicht erhoben , so Kämmerin Ingeborg Freigang auf RUNDSCHAU-Anfrage. Da jene Zahlungen eine große Belastung für die Gemeindekassen darstellen würden, habe Schlepzig an dieser Stelle viel eingespart.
100 000 Euro wird Schlepzig als Eigenanteil an den Kosten für den Bau der kleinen Kahnumfahrt einstellen , erklärte Marion Klee. Die restlichen 300 000 Euro würden mit Fördermitteln aus dem ILE-Programm bestritten (die RUNDSCHAUberichtete). Die Arbeiten, um das Fließ schiffbar zu machen, werden zum Jahresende abgeschlossen sein, denn bis Mitte November müssen die Fördermittel verwendet worden sein , so Ingeborg Freigang.
Zusätzliche Mittel von 17 000 Euro stehen laut Kämmerin in diesem Jahr für die Reparatur von Fußgängerbrücken und der Gemeindestraße nach Petkampsberg zur Verfügung. Jens-Hermann Kleine, Amtsdirektor des Amtes Unterspreewald, bemerkte während der Gemeindevertretersitzung zu den Gemeindefinanzen: Schlepzig steht gut da, das sieht im Amt zum Teil ganz anders aus.
Trotz alledem müssen wir weiterhin sparen , sagte Marion Klee. Ingeborg Freigang sieht hingegen keine direkten Einsparmöglichkeiten im beschlossenen Haushalt. Die Kämmerin nennt freiwillige Aufgaben als mögliches Einsparpotential, auch wenn die derzeitigen Mittel bis auf weiteres nicht gekürzt werden sollen, wie sie versicherte.
Die Haushaltsstellen für das Agrarmuseum und Dienstleistungen im Fremdenverkehr werden mit insgesamt 38 300 bezuschusst, da wir dort nicht kostendeckend arbeiten , berichtete die Kämmerin. Die Gemeinde bringt für die Tourismusförderung ein großes Opfer , fügte sie hinzu. Die Finanzierung dieser freiwilligen Aufgaben ist jedoch eine unverzichtbare Wirtschaftsförderung für Schlepzig , betonte Ingeborg Freigang.

Von Nils Michaelis


Schlepziger Kita-Kinder sollen im Dorf bleiben
Gemeindevertreter lehnen Kita-Standort Neu Lübbenau ab


Schlepzigs Gemeindevertreter lehnen es ab, die Kita-Kinder des Dorfes an die Betreuungsstätte in Neu Lübbenau wechseln zu lassen und damit den Standort Schlepzig aufzugeben. Diesen Beschluss fassten sie bei ihrer Sitzung am Dienstag in Lübben.

«Auf dem Weg zum staatlich anerkannten Erholungsort wäre das unsinnig, schließlich brauchen unsere Gäste eine Möglichkeit, ihre Kinder betreuen zu lassen» , sagte Ortsbürgermeisterin Heike Noah.
Der Landkreis Dahme-Spreewald hatte zuvor im Rahmen der Erstellung eines Bedarfsplans für die Kindertagesbetreuung angefragt, ob die Schlepziger Kinder in Neu Lübbenau versorgt werden könnten. Die Kapazität der Schlepziger Kita gibt die Gemeindeverwaltung mit 28 Plätzen an. Davon sind zurzeit 20 belegt. Ebenso regte die Kreisverwaltung an, die Hortkinder des Amtes Unterspreewald im Hort in Gröditsch zu betreuen. «Dadurch würden zwei Hauptstandorte für den Bildungsauftrag in Kindertagesstätten zur Verfügung stehen» , argumentiert die Kreisverwaltung in einer schriftlichen Mitteilung. (nm)



07.03.2006 Lausitzer Rundschau
Biosphärenreservat behält Naturtourismus im Blick
Neuer Kommunikations- und Medienraum in Schlepzig übergeben

Naturschützer und Tourismusanbieter in der Region noch besser vernetzen will Biosphärenreservatsleiter Eugen Nowak in den kommenden Jahren. Unterstützung erhofft er sich dabei von dem neuen Kommunikations- und Medienraum, der gestern im Informationszentrum in Schlepzig übergeben worden ist. Rund 64 000 Euro haben das Land Brandenburg und die Al lianz-Stiftung dort insgesamt investiert, so Nowak.






Foto: Nils Michaelis
Freudig in die Zukunft schaut Eugen Nowak vom Biosphärenreservat Spreewald (r.) seit gestern. Mit dem neuen Medienangebot im ehemaligen Turbinenhaus will er Naturschutz und Tourismus besser vernetzen.
Pünktlich zum Beginn der Frühjahrssaison ist gestern der neue Kommunikations- und Medienraum des Biosphärenreservats in Schlepzig übergeben worden. Dort sollen ab sofort Touristengruppen und Schulklassen empfangen werden und mit modernen Medien einen ersten Einblick in den Naturraum Spreewald bekommen , sagte Biosphärenreservatsleiter Eugen Nowak. Dafür ist am Standort Schlepzig zuvor kaum Platz gewesen. Im Frühjahr seien zahlreiche Film- und Vortragsveranstaltungen sowie Foren im neuen Trakt geplant. Dieser grenzt direkt an das bisherige Informationszentrum.
Das ehemalige Turbinenhaus der alten Mühle soll Nowak zufolge auch für Fortbildungsmaßnahmen genutzt werden. Nowak: Damit wollen wir den qualifizierten Naturtourismus im Spreewald in den folgenden Jahren weiter nach vorne bringen.
Das Zielpublikum für Schulungen seien Lehrer, Mitarbeiter von Wasserbehörden und Kahnfährleute, erklärte Nowak. Letztere könnten sich künftig in Schlepzig in Sachen Naturschutz qualifizieren, indem sie ihr Wissen um die Bedeutung des Schutzgebiets Spreewald erweitern. Viele Kahnfährleute haben dahingehend schon viel getan, die Debatte um das Gewässerrandstreifenprojekt hat jedoch gezeigt, dass oft Unwahrheiten verbreitet werden , ergänzte Arnulf Weingardt vom Biosphärenreservat.

Der Spreewald auf Video
Technisches Kernstück des Medienraums ist die neue Ausrüstung für Videopräsentationen. Diese wurde den Besuchern mittels einer Dokumentation über den Spreewald vorgeführt. Dafür sowie für Schautafeln und neue Stühle hatte die Allianz-Stiftung laut Nowak 18 000 Euro gegeben. Auch eine kleine Ausstellung über die Arbeit des Biosphärenreservats ist zu sehen. Nowak: Das alles hätten wir in der bisherigen Bruchbude nicht aufbauen können. Für die Rekonstruktion des Hauses seien 46 000 Euro aus Landesmitteln geflossen, berichteten Nowak und Weingardt.

Treffpunkt der Interessengruppen
Das Biosphärenreservat Spreewald wirkt seit Jahren als Vermittler zwischen den Interessengruppen in dieser Region , erklärte Allianz-Stiftungspräsident Lutz Spandau. Der neue Medienraum solle die Mittlerfunktion fördern und ausbauen, indem er zum Treffpunkt von Naturschützern und Tourismusdienstleistern werde.
Spandau verwies auf das 15-jährige Engagement seiner Stiftung im Spreewald. Deren geleistete Fördermittel für das Biosphärenreservat beziffert die Landesregierung mit bislang drei Millionen Euro. Ich wünsche mir, dass wir auch in den nächsten fünf Jahren noch die Arbeit des Biosphärenreservats unterstützen , fügte Spandau vor rund 50 Kuratoriumsmitgliedern, Gästen und Medienvertretern hinzu. Darunter waren der Präsident des Landesumweltamtes Matthias Freude, Kreisdezernent Stephan Loge, die Landtagsabgeordneten Sylvia Lehmann (SPD), Karin Weber (Linkspartei.PDS) und Werner-Siegwart Schippel (SPD) sowie Lübbens Bürgermeister Lothar Bretterbauer (CDU) und Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine.

Von Nils Michaelis


03.03.2006 Lausitzer Rundschau
Schlepzig bereitet sich auf Kommissionsrundgang vor
Unterspreewald-Dorf will Weichen für Titel «Erholungsort» stellen


Hohen Besuch erwartet Schlepzig am 11. Mai. Dann will eine Kommission das Unterspreewald-Dorf besuchen und ein Votum darüber abgeben, ob dieses den Status «Erholungsort» beantragen kann. Dafür hatten sich die Gemeindevertreter Schlepzigs vor einiger Zeit ausgesprochen. Nun bereitet eine Arbeitsgruppe die Ortsbesichtigung vor.






Foto: Ingvil Schirling
Noch liegt winterliche Ruhe über dem Schlepziger Kahnfährhafen. Wenn der Landesfachbeirat für Kur- und Erholungsorte im Mai in den Unterspreewald-Ort kommt, wird er sich wieder im Saisonbetrieb präsentieren.
Insgesamt neun Institutionen gehören dem Landesfachbeirat für Kur- und Erholungsorte an, der im Mai nach Schlepzig kommen will. Darunter sind Ministerien, der Landestourismusverband Brandenburg, das Forschungsinstitut für Kurortwissenschaft und der Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik.

Viel zu sehen, wenig Zeit
Die Zeit für die Ortsbesichtigung ist knapp. Die Runde hat die Arbeitsgruppe bereits festgelegt: Bei schönem Wetter soll es ab 11 Uhr mit dem Kahn vom Hotel Müggenburg zum Landgasthof gehen. Diese Zeit will Bürgermeisterin Heike Noah nutzen, um Grundsätzliches über Schlepzig zu sagen.
Am Landgasthof sollen die Gäste aufs Rad steigen und den Kahnfährhafen, die Parkmöglichkeiten und die Ausstellung in der Außenstelle des Biosphärenreservats besichtigen. Das Mittagessen ist im Gasthof Künzel geplant, anschließend soll die Runde per Rad vorbei an der Kirche führen, am Landschulheim, am Museum, dann weiter über den Luchteich zum Gemeindezentrum, zum Seniorenheim und Sportplatz, entlang der Alten Lübbener Straße zum Rastplatz am Inselteich. Von dort soll es entlang der Dammstraße zurück zum Landgasthof gehen. Dort, wo der Neubau der Schleuse über die Dorfspree geplant ist, soll noch ein kurzer Zwischenstopp eingelegt werden.

Ausruhen unter der Linde im Museum
Ein straffes Programm, und die Gesichter der Arbeitsgruppenmitglieder, die an diesem Mittwoch im Landgasthof Zum Grünen Strand der Spree tagen, sind schon etwas besorgt. Besonders lang ist das von Karin Kappus, der Museumsleiterin und Chefin der Tourist-Information. 15 Minuten für das Schlepziger Museum maximal – wo sollte sie da anfangen, wenn sie die ganzen Angebote aufzählen wollte? Es ist ihr anzusehen, dass sie zwar die Notwendigkeit einsieht, sich aber schlecht mit einer solchen Knappheit anfreunden kann. Kurz wird darüber diskutiert, dann fällt die Entscheidung: Die Kommissionsmitglieder sollen sich im Hof unter der Linde ausruhen, während Karin Kappus das Museum vorstellt.
In Vorbereitung auf die Ortsbesichtigung am 11. Mai sollen die Kommissionsmitglieder ausgewähltes Prospektmaterial über Schlepzig und den Spreewald zugeschickt bekommen. Karin Kappus breitet eine Vorauswahl auf einem Tisch vor der Arbeitsgruppe aus. Einige Flyer müssen überarbeitet werden, weil Angebote sich verändert haben oder neue hinzugekommen sind. Der Schlepzig-Flyer soll Einlegeblätter mit Terminen und Kahnfahrt-Angeboten bekommen. Die Amtskarte und -broschüre sollen möglichst bis zum 11. Mai ein neues Gesicht bekommen. Ein Wanderführer, die Liste der Vermieter, das Profil des Biosphärenreservats sollen mit in die Mappe wandern. Ihre Form macht der Arbeitsgruppe Sorgen. Repräsentativ soll sie sein, aber möglichst nichts kosten – mitten hinein in das große Fragezeichen, das im Raum steht, zaubert Torsten Römer vom Landgasthof einen Stapel Mappen, die er vom Buchbinder Schwiesow einmal erworben hat und für diesen Zweck zur Verfügung stellen will. Mit Folie aufgemotzt oder mit dem Schlepziger Wappen besprüht, würden sie was hermachen, sind sich die Arbeitsgruppenmitglieder einig.

Eigenes Profil mit Titel verdeutlichen
Während nach fast zwei Stunden einiges abgearbeitet ist, bleibt immer noch viel zu klären, und die Zeit wird eng. Dennoch will die Arbeitsgruppe alles versuchen, um die Weichen dafür zu stellen, dass Schlepzig Erholungsort wird. Für Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine wäre das die logische Fortsetzung dessen, was sich dort bereits entwickelt hat und eine Zertifizierung für das ganz eigene Profil von Schlepzig mit den drei Tourismussäulen Kultur, Natur und Kinderfreundlichkeit, wie Römer anfügt.

Von Ingvil Schirling

 

1.03.2006
Närrische Karreten dröhnen durch Schlepzig
300 Akteure machen Stimmung beim Rosenmontagsumzug


Mehr als 300 Narren sind am Montagnachmittag durch Schlepzig gezogen. Kurz nach Mittag drang aus vielen Schlepziger Gehöften ein merkwürdiges Knattern bis zu den Straßen. Zwar sind die kreativen Karreten der Schlepziger Rosenmontagsumzüge traditionell in erster Linie laut. Doch die Spreewälder Jecken versuchten mit ihren fahrbaren Eigenbauten dennoch, möglichst unbemerkt zum Aufstellplatz an der Dammstraße zu kommen. Die bis dato so sorgsam gehüteten Geheimnisse sollten so lange wie möglich gewahrt bleiben.




Fotos: Jens Golombek
Historische Kostüme fehlten nicht beim Rosenmontagsumzug.Aus Turin direkt nach Schlepzig: Das Olympiateam von der Großschanze.Das „Königspaar der Herzen“ schwebte per Sänfte ein.Alwin Drexler und das Prinzenpaar waren vor dem Start des Rosenmontagsumzugs in Schlepzig gefragte Interviewpartner.Stimmung in Schlepzig: Der Rosenmontagsumzug lockte hunderte Zuschauer in das Unterspreewalddorf.
Pünktlich um 14 Uhr gab Fastnachtschef Alwin Drexler den Startschuss zum 13. Rosen montagsumzug. Die Blaskapelle spielte auf, und der Zug setzte sich in Bewegung. Die Mädels der „Dark An gels“ drehten ihre Rockmusik auf, die sich mit dem satten Klang der vielen auspufflosen Motoren mischte.
Christoph und Alexander Haase gingen gemeinsam mit Thomas Schiela als „Tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten“ ins Rennen. Der gleichnamige Film hatte die Drei dazu inspiriert. Ein alter Motorradmotor diente ihnen als Antrieb. „Diesmal haben wir sogar einen Lüfter dafür eingebaut“, erklärte Thomas Schiela die Konstruktion aus Holz und Stahl. „Letztes Jahr mussten wir ihn mit Cola kühlen, das fand die Zündkerze nicht so toll.“
Vor dem Flugzeugpropeller bahnte sich ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum mit unübersehbarer Schlagseite einen Weg durch die Straßen, beiderseits gesäumt von dicken Menschentrauben. „Der ist bei mir im Garten einfach schräg der Sonne entgegen gewachsen und war so für das Wohnzimmer nicht mehr geeignet“, erklärte Sven Petigk seinen närrischen Beitrag. Er lag als Kuscheltier unter den vom Weihnachtsmann gezogenen grünen Zweigen.
Als Klärchens rollendes Ballhaus „Tanz in allen Sälen“ versprach, versteckte sich die Sonne in Schlepzig hinter einer Wolke. Ein paar Schneeflocken mischten sich mit dem Inhalt der Konfettikanone des Olympiateams. Die Spitzensportler hatten sogar Sponsoren für ihre Schlepziger Großschanze geworben.
Eine Pause legte der Zug am Schlepziger Seniorenheim ein. Mit gratis Glühwein wurden die Narren, mit Kamellen und Späßen die dortigen Zuschauer bei Laune gehalten. Das Publikum verkürzte sich derweil an der großen Kreuzung die Wartezeit mit Erbsensuppe und Bockwurst.
Höhepunkt und Abschluss des Schlepziger Rosenmontagsumzugs war schließlich das große Tanzfinale auf der komplett abgesperrten Hauptstraße. Mit im Programm war ein Geburtstagsständchen für Karnevalsprinz Mario, der am Rosenmontag seinen Ehrentag feierte.
Jugendprinzenpaar Anika Neumann und Mario Noack hatte noch vor dem Umzug gemeinsam mit Fastnachtschef Alwin Drexler Neugierigen und Journalisten Rede und Antwort gestanden. „Letzte Unklarheiten sind noch zu beseitigen, Funk und Fernsehen wollen alle noch ihre Interviews“, sagte Drexler.
Die beiden jungen Leute waren zum zweiten Mal in ihren Ämtern dabei. „Ein langes und anstrengendes Fastnachtswochenende liegt hinter uns“, berichtete Mario Noack. „An beiden Tagen waren die Jugend sowie die Verheirateten mit insgesamt 250 Zamperern unterwegs, und das bei nur 650 Einwohnern“, erzählte Anika Neumann stolz.


Von Jens Golombek

 

02.02.2006 Lausitzer Rundschau
Schlepzig treibt Anerkennung als Erholungsort voran
Arbeitsgruppe soll Inspektionsbesuch im Mai vorbereiten


Die Gemeinde Schlepzig im Amt Unterspreewald treibt ihre Bemühungen voran, als Erholungsort anerkannt zu werden. Bei der Sitzung der Gemeindevertretung am Dienstagabend im Gemeindezentrum kündigte Bürgermeisterin Heike Noah an, dass am 10.



Mai eine erste Inspektion im Ort stattfinden werde.
Diese erste Inspektion solle darüber Auskunft geben, sagte Heike Noah, ob Schlepzig die Voraussetzungen für den Status Erholungsort erfüllen könne. «An diesem Tag wollen wir Erkenntnisse gewinnen, was Schlepzig noch fehlt und was noch getan werden muss» , sagte die Bürgermeisterin.
Die Gemeindevertreter forderte sie auf, sich in eine Arbeitsgruppe mit ihren Vorschlägen und Vorstellungen einzubringen. Um das Prädikat «Anerkannter Erholungsort» zu bekommen, müssten «noch Anträge und Erhebungsbögen ausgefüllt werden» , sagte Heike Noah. Eine Arbeitsgruppe könne das wohl am besten leisten.

15 000 Euro eingeplant
Thorsten Römer will es nicht nur bei einer Arbeitsgruppe bewenden lassen. Um die eine oder andere Maßnahme zur Verschönerung von Schlepzig noch vor der Inspektion im Mai in Angriff nehmen zu können, sagte er, sollte schon jetzt dafür gesorgt werden, dass Mittel in den Haushalt 2006 eingestellt werden.
Damit, so Thorsten Römers Überlegungen, könnten etliche Sitzbänke angeschafft und einfache Spielmöglichkeiten für Kinder geschaffen werden. In der Arbeitsgruppe sollte dann über die Standorte der Bänke und Spielmöglichkeiten gesprochen werden.
Aus der Versammlung kam der Vorschlag, dass dafür 15 000 Euro im Etat vorgesehen werden sollten. Durch Zustimmung von allen Seiten, aber ohne Abstimmung wurde der Vorschlag angenommen. (km)


 

7.12.2005 Lausitzer Rundschau
Schlepzig beantragt Zuschuss für Kahnfahrt
Tour durch das Dorf soll ermöglicht werden


Für den Bau einer Kahnfahrtroute durch Schlepzig im nächsten Jahr beantragt die Gemeinde Fördermittel. Das hat die Gemeindevertretung vorgestern beschlossen.

Die Kosten des Projekts werden auf rund 400 000 Euro geschätzt, erklärte Bauamtsleiterin Michaela Schudek während der Sitzung der Abgeordneten. Davon sollen 300 000 Euro als Zuschuss über das Förderprogramm «Integrierte ländliche Entwicklung» (ILE) fließen. Der Eigenanteil der Gemeinde «ist gesichert» , sagte sie. Er soll aus den investiven Schlüsselzuweisungen, die Schlepzig in diesem und im nächsten Jahr erhält, aufgebracht werden. «Diese dürfen ja nur für Investitionen verwendet werden» , betonte die Amtsleiterin.

Schleusen- und Brückenbau
Wo unter der Dammstraße ein Rohr die Hauptspree mit der Kleinen Spree verbindet, sollen ein Durchlass mit Schleuse und eine Brücke errichtet werden. So entsteht eine Kahnroute von der Haupt- über die Kleine Spree und das Schlepziger Freifließ, das wieder in die Hauptspree einmündet.
Bislang können die Schlepziger ihren Gästen nur längere Kahnfahrten auf wenigen Routen außerhalb des Ortes anbieten. Eine Fahrt über eine kürzere Strecke durch den Ort offerieren zu können, sei daher seit 1996 Wunsch der Gemeinde gewesen, erinnerte Michaela Schudek. Ihn zu erfüllen, sei bislang an den Finanzen gescheitert. ILE eröffne nun aber diese Möglichkeit.
Sie sollte genutzt werden, sagte Rudi Gollnick. «Was stellen andere an, um ein kleines Fließ zu bauen«! Wir wollen das Vorhandene bei uns nicht mal in Ordnung bringen»» , fragte er. Sei doch die Kleine Spree «ein Modderloch» – was auch für die Feuerwehr mangels Brunnen im Ort ein Problem sei, so Gollnick.
«Bei uns fließt das Wasser durchs Dorf» , sagte auch Günter Schade. Er möchte diese Chance nutzen, «um das Dorf attraktiver zu machen. Wir leben nun mal zum Großteil vom Tourismus.»
Gemeindevertreter Steffen Miether dagegen, «weiß noch nicht, ob ich für das Projekt bin oder dagegen. Ich kenne es ja noch nicht» , begründete er, weshalb er sich der Stimme enthielt. «Wir können erst konkret planen, wenn die Fördermittel vorliegen» , hielt Bürgermeisterin Heike Noah entgegen. Und Michaela Schudek versprach: «Sobald der Zuschuss da ist, machen wir eine Einwohnerversammlung und stellen eine ordentliche Planung vor.»
Für Dietmar Andreck ist dieser Termin für die Information der Einwohner zu spät. Er ist einer der Anwohner der geplanten Kahnfahrtroute und hätte sich wenigstens für diese gewünscht, eher über das Vorhaben und dessen Folgen für die Anlieger in Kenntnis gesetzt zu werden. Beispielsweise, das zeigte sich bei der Sitzung, gibt es erhebliche Bedenken, was die Höhe der geplanten Brücke betrifft.

Entlastung für Dammstraße
Laut dem bisher vorliegenden Konzept soll sich die Brücke ins Dorfbild einpassen und nicht, wie befürchtet, in einigen Metern Höhe die Kleine Spree überspannen, sagte Michaela Schudek. Die Traglast von Brücke wie Straße soll auf 5,5 Tonnen begrenzt sein, kurzfristige Ausnahmen etwa für die Müllabfuhr sollen möglich sein. Mit dem Gesamtvorhaben eröffne sich zudem die Möglichkeit, so die Bauamtsleiterin, «das Problem Dammstraße zu lösen» . Sei diese doch gar nicht für den Verkehr ausgelegt, der über die Straße rolle. Deshalb sei die Sanierung der alten Lübbener Straße (Niwaweg) Teil des Gesamtprojekts, um die Dammstraße zu entlasten. (dh)

 

Neues Gurkenpaar gekrönt
Märkische Allgemeine vom 05.09.2005

Über 85 Stände lockten die Besucher / Kahnfahrt mit Nachtwächter

SCHLEPZIG Selbst strömender Regen kann einem Spreewaldort nichts anhaben, wenn es gilt, die berühmte Gurke zu feiern. Das jedenfalls demonstrierten die Schlepziger und ihre Gäste am Sonnabendvormittag beim "7. Spreewälder Gurkentag". Einem Fest, mit dem alljährlich der Schutz der Spreewälder Gurke gefeiert wird. Der Gurkentag 2004 fand in Calau statt.

In Schlepzig ging es gleich mit einem Paukenschlag los. Das neue Gurkenpaar Anika I. und Michael I. wurde von Ministerin Johanna Wanka (CDU) gekrönt. "Das passt doch wie die Faust aufs Auge", meinte Landrat Martin Wille (SPD) und spielte damit darauf an, das die neue Gurkenprinzessin Anika Schäfer in "seinem" Amt für Wirtschaftsförderung arbeitet. Besser könne die Gurke schließlich nicht vermarktet werden, so der Landrat. Prinz Michael Damian stand seiner Freundin aber in Nichts nach. Mühelos schlug er das erste Gurkenfass des Jahrganges 2005 auf, um die kostbaren Exemplare anschließend an die Gäste zu verteilen. "Ein bisschen salzig, aber gut", urteilte Ministerin Wanka. Landrat Martin Wille meinte, das mache nichts. Dadurch bekäme man erst den richtigen Durst für das Spreewald-Bier, von dem Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wenige Minuten später das erste Fass anstach.

Auch Lena Slabon aus Lippe in Westfalen meinte, dass diese ersten Gurken sehr salzig gewesen sind. Ansonsten seien der Urlaub und das Gurkenfest mit den Kahnfahrten einfach toll. Johannes Fritsch aus Hamburg war begeistert: "Ich war noch nie in dieser Gegend und habe da wirklich etwas versäumt." Ganz anders war es bei Margitta Schippel aus Vetschau, die bisher jeden Gurkentag besuchte: "An den 85 Ständen gibt es doch immer etwas Neues zu entdecken."

Hinter einem dieser Stände saß der Trachtensticker Dieter Dziumbla aus Burg. Fachmännisch erklärte der einstige Baggerfahrer, dass das Sticken eines drei Meter langen Rockbandes etwa 80 Stunden dauert. Dabei würden unter anderem der Platz-, der Hexen-, der Stil- und der Kreuzstich benötigt, die er als Mann selbstverständlich alle beherrscht.

Guter Dinge waren auch die Wittmannsdorfer Butterfrauen, die an diesem Tag über 500 Stullen verkaufen wollten. Dafür hatten sie extra 15 Sechs-Pfund-Brote mitgebracht.

Über fehlenden Absatz konnten sich auch die Gurkenstände nicht beklagen, wo neben den Knoblauchgurken vor allem wieder die traditionellen Gewürzgurken gefragt waren. Auch über 20 Senfsorten, darunter mit Kürbis-, Bier- und Kaperngeschmack, konnten die Gäste bei dem zweitägigen Fest kosten. Selbst Sauerkrautbrot wurde angeboten.

Sonnabendabend war vor allem der Kahnfährhafen dicht umlagert, wo zur Mondscheinfahrt mit dem Nachtwächter eingeladen wurde. Am Sonntagmittag startete in Schlepzig der große Kahnkorso durch den Spreewald. mo


22.07.2005
Im Kahn durchs Spreewalddorf gleiten
Schlepzig plant Route durch den Ort


Mit dem Kahn in der Dämmerung durch das Dorf gleiten, einen Blick auf die Gehöfte werden, die im Laternenschein den romantischen Spreewald lebendig werden lassen – die Schlepziger stellen sich das schön vor für sich und ihre Gäste. Eine kleine Kahnfahrt durch ihren Ort könnte nicht nur den Tourismus voran bringen, sondern hat in ihren Augen noch weitere Vorteile. Mit einem vorderen Platz auf der Prioritätenliste der ILE-Förderung ist sie in greifbare Nähe gerückt und war daher Thema auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Schlepzig.


Eine zusätzliche Route würde die Kahnfahrten im Schlepziger Gebiet entzerren und das Naturschutzgebiet entlasten. Ideen dafür gibt es schon lange. Die kleine Route durchs Dorf eigne sich besonders «abends in der Dämmerung» , sagte Uwe Neumann vom Heimat- und Traditionsverein, «wenn im Biosphärenreservat nichts mehr stattfinden sollte» . Sie könne das Dorf attraktiver machen, ergänzte Bauamtsleiterin Michaela Schudek vom Amt Unterspreewald. Andere stimmten ihr zu, vor allem wenn die Schlepziger die Route als Anreiz nehmen, den Blick auf ihre Gehöfte auch vom Wasser aus lohnenswert zu gestalten.
Neben der Kleinen Kahnfahrt im Dorf ging es in der Sitzung auch um eine größere Route entlang des Niewafließes. Günter Schade aus Schlepzig, selbst Kahnfährmann und von Michaela Schudek als «treibende Kraft des Ganzen» bezeichnet, erklärte ihren Verlauf. Sie würde das Dorf nach Süden abschließen und in seinen Augen künftig möglicherweise zu einer weiteren Erschließung der jetzigen Wiesen beitragen könnte. Allerdings sei die Entscheidung eine Kostenfrage.
Wegen eben dieser «waren wir uns einig, dass wir die Kleine Kahnfahrt favorisieren wollen» , sagte Bürgermeisterin Heike Noah. «Die Gemeinde ist pragmatisch» , kommentierte Michaela Schudek vom Amt Unterspreewald. «Was nützt eine große Kahnfahrt, wenn sie nicht refinanziert werden kann» , spielte sie auf den Eigenanteil an, den Schlepzig zu den Fördermitteln über ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung) aufbringen müsste.
Dieser beläuft sich auf 25 Prozent, erklärte Dieter Irlbacher, der als Vorsitzender des Spreewaldvereins die ILE-geförderten Projekte in der Region koordiniert. Die Gesamtkosten für die kleine Kahnroute durch das Dorf sind noch nicht bekannt. Irlbacher drängte zur Eile: «Bis 2006 muss das Geld ausgegeben sein.» Er fügte an: «Schlepzig muss schnell sein, denn wo die Kofinanzierung nicht kommt, wird umdisponiert. Es sind genug Projekte in der Schublade.»

Von Ingvil Schirling


16.09.2005 Lausitzer Rundschau
Schlepziger träumen von eigener Ortsdurchfahrt
Gemeinde will touristisches Angeb
ot erweitern / Teil 2

Schlepzig. Die Idee ist schon fast zehn Jahre alt, doch bisher fehlte das Geld dafür: für eine Kahnrundfahrt durch Schlepzig. Auf der Liste der ILE-Projekte steht sie jetzt ganz oben. Rund 400 000 Euro müssen dafür bereitstehen, davon 100 000 Euro aus dem Haushalt der Gemeinde. Die hat bereits kräftig ihre Investitionspauschale dafür gespart.

 



Foto: Archivfoto: Adi Wawro
Eine Kahnrundfahrt durch Schlepzig war bisher nicht möglich (unser Foto zeigt eine Tour, die in dem Dorf startet und in den Spreewald führt). Mit Hilfe des Programms Integrierte Landliche Entwicklung (ILE) soll das aber als einstündige Fahrt bald möglich werden.
Die Schlepziger Kahnfährmänner wollten ihren Gästen neben dem Unterspreewald gern auch den Ort Schlepzig zeigen. Außerdem würde es dadurch eine Route geben, die in einer Stunde zu schaffen ist – für Gäste, die wenig Zeit haben. Die heute üblichen Touren dauern mindestens zwei bis drei Stunden. Auch ungeübte Paddler könnten sich auf diese kurze Strecke begeben. Das hätte einen "tollen Effekt" für Schlepzig, sagt Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine. Ortsbürgermeisterin Heike Noah nimmt vorsichtig das Wort "Kahnnächte" in den Mund und lacht. Mit der Ortsdurchfahrt würden sich eben viele neue Ideen ergeben.
Die Variante, die jetzt konzipiert wird, ist bereits eine abgespeckte, also billigere Variante. Doch nur sie, betont Kleine, verdiene wirklich den Namen Ortsdurchfahrt, weil sie so nah an den Häusern dran sei. Ab der Dammstraße könnte die Route südlich parallel zur Durchfahrtsstraße über einen Altarm der Spree verlaufen. Von dort könnte sie nach Norden abbiegen, über das Fließ am Hotel Müggenberg und über die Schleuse an "Posslings Eckchen" zurück zum Ausgangspunkt an der Gaststätte "Zur Reuse" führen.

Die Route soll ausschließlich in natürlichen Bahnen verlaufen, also ohne Kanäle auskommen. Dazu müssten der Altarm und die Fließe nördlich von Schlepzig entkrautet und tiefer gebaggert werden, damit Kähne darauf fahren und sich in beiden Richtungen begegnen können. Zudem müssten Brücken und Schleusen erneuert werden.

Für das Konzept werden nach Aussage von Doris Paetsch vom Bauamt zurzeit die Fördermittel aus dem ILE-Topf beantragt. Wieviel Geld das tatsächlich sein wird und wann es kommt, ist derzeit noch ungewiss. Dietrich Dommain, ILE-Manager beim Spreewaldverein, zeigt sich aber zuversichtlich, dass es bald losgehen kann. "Die Ortsdurchfahrt steht wegen ihrer Attraktivität für den Ort ganz oben auf der Liste", sagt er.

Wenn die Fördermittel bewilligt sind, werden die Bürger in die Planung einbezogen. Bereits jetzt hat Heike Noah mit Schlepzigern gesprochen. "Sachliche Einwände dagegen habe ich noch nicht gehört", sagt sie. Gerade die Leute, die ihre Grundstücke an der Route haben, könnten, ähnlich wie in Lehde, kleine Imbissstände aufmachen oder Gurken verkaufen. So stellt es sich zumindest der Amtsdirektor vor. "Schließlich lebt Schlepzig vom Tourismus", begründet er.

H I N T E R G R U N D

Ländliche Entwicklung

Die RUNDSCHAU stellt in loser Folge die Projekte vor, die in das ILE-Konzept des Landkreises Dahme-Spreewald aufgenommen wurden.

ILE steht für "Integrierte ländliche Entwicklung" und ist ein neues Förderprogramm der Europäischen Union. Es soll die Entwicklung ländlicher Räume fördern.

Das ILE-Konzept des Kreises sieht vor, dass sich das Gebiet an Dahme und Spree als lebenswerter Raum entwickelt, der Arbeit bietet. Dazu werden Projekte an einer Nord-Süd- und einer Ost-West-Achse gefördert. (dzr)


Von Dörthe Ziemer