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Biosphäre

Farbenfrohe Erlebnisse am Schlepziger Naturlehrpfad
Buchenhain ist lebendige Lehrstube für Naturfreunde


Wer den Naturlehrpfad in Schlepzig entlanggeht, der betritt beinahe historisches Gebiet. Denn die Geschichte dieses Pfades begann schon im Jahr 1967. Seitdem wird er ständig weiterentwickelt. Das wird für den Besucher besonders an den Schildern deutlich, die sichtlich aus verschiedenen Jahrzehnten stammen. Sie bieten einen bunten Informationsmix über Arten, Lebensgemeinschaften und Lebensräume im Wald.




Foto: Ziemer
Die charakteristischen gelb-blauen Blüten gehören dem Hainwachtelweizen, lernt der Besucher des Lehrpfades.
1967 wurde der Lehrpfad von dem Biologielehrer-Ehepaar Fürst, so verrät es eines der Schilder, als Route für Schülerexkursionen wissenschaftlich beschrieben und von Schlepziger Schülern ausgeschildert. Schwarzstorchhorste, nicht erneuerbare Brücken zwangen zu mehreren Änderungen der Wegstrecke. Nach 1982 wurde die Route neu festgelegt, und seit 1990 kümmert sich das Biosphärenreservat Spreewald um die Ausschilderung.
Die ist recht üppig im Vergleich zu anderen Naturlehrpfaden. Neueren Datums sind die Schilder, die einheimische Pflanzen zeigen und benennen. So kann sich der Naturfreund in der Umgebung umschauen, was er davon wiederentdeckt, und lernt den Namen durch das Schild. Der Gemeine Blutweiderich, der Hainwachtelweizen oder das Europäische Pfaffenhütchen werden auf diese Weise gelernt.

Lebensbeziehungen im Wald
Andere Info-Tafeln beschreiben ausführlich das Zusammenwirken verschiedener Lebensformen im Wald. „Die Lebensbeziehungen und der Kreislauf der Stoffe im Wald“ heißt so eine Tafel und informiert darüber, wie sich Produzenten (Pflanzen), Konsumenten (Tiere) und Destruenten (Kleinstlebewesen) gegenseitig mit Nahrung und förderlichen Lebensbedingungen versorgen. Das dürfte vielleicht in jedermanns Biologie-Unterricht vorgekommen sein. Aber erst im Wald, dort wo eben jene Gruppen wachsen und gedeihen, wird es anschaulich. Spannend ist auch zu lesen, wie lebendig totes Holz ist.
Dass von Stille im Wald keine Rede sein kann, hat der Naturfreund an dieser Stelle längst festgestellt. Vögel singen, Blindschleichen rauschen durchs Laub, und erschrocken rennt ein Reh tiefer in den Wald hinein. Hier und da rauscht das Wasser an den Schleusen. Auch die Fließe sind ausführlich auf Schildern beschrieben. So erfährt der Wanderer, dass das Zerniasfließ zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurde und wie der ehemalige Flussverlauf eigentlich war.

Ältester Deich
Interessant ist zu erfahren, dass die Regulierung des Wassers im Spreewald schon vor hunderten von Jahren begann. So steht vor einem kleinen, beinahe nicht mehr zu erkennendem Deich, dem Archedamm: „Der erhöhte Pfad ist der älteste Deich im Unterspreewald. Man staute durch ihn bereits im 14. Jahrhundert die Spree an, damit in Schlepzig Mühle und Eisenhammerwerk auch bei Niedrigwasser arbeiten konnten. Der Damm war bis zum Bau der Chaussee der einzige Weg nach Krausnick.“
Besonderer Raum wird den verschiedenen Buchen-Arten gegeben, sind diese Bäume es doch, die dem Wald einen Namen (Buchenhain) und dem Pfad ein unverwechselbares Gesicht geben. Detaillierte Zeichnungen der Blätter veranlassen dazu, die einzelnen Arten zu vergleichen und unterscheiden zu lernen.
Auch der im Spreewald seltene Eisvogel hat ein eigenes Info-Schild bekommen. Zu exotisch mutet der bunte Vogel an, als dass er neben anderen stehen könnte.

Fazit:
Kosten: keine
Zeitaufwand: Die ca. vier Kilometer lange Wanderung dauert anderthalb bis zwei Stunden.
Kinderfreundlichkeit: Für Kinder dürfte es spannend sein zu erfahren, was im Wald kreucht und fleucht, wenn sie von ihren Eltern dabei unterstützt werden.
Top für alle, die gerne wandern und dabei etwas über ihre Umgebung erfahren wollen.
Flop für alle, die im Wald lieber zur Ruhe kommen und alle Buchstaben vergessen wollen.

Service Anreise
Anreise: Ein guter Ausgangspunkt für die Wanderung, die an jeder Stelle des Pfades (Wanderzeichen: schräger grüner Balken auf weißem Grund) begonnen werden kann, ist der Parkplatz außerhalb von Schlepzig in Richtung Krausnick. Der Pfad beginnt dann von Schlepzig aus gesehen links hinter dem Zerniasfließ.



Von Dörthe Ziemer

07.06.2006 Lausitzer Rundschau
Ausstellung in Schlepzig um Muschelsammlung erweitert
Vicky Nolde und Carolin Schilf setzen zahlreiche Exemplare in Szene


«Es ist einfach wunderbar gewesen und hat uns sehr viel Spaß gemacht» , sagt Carolin Schilf mit leuchtenden Augen. Die 15-Jährige leistet gemeinsam mit ihrer Freundin Vicky Nolde in der Außenstelle des Biosphärenreservats in Schlepzig noch bis Freitag ein vierwöchiges Praktikum ab. Die beiden Schülerinnen der 9. Klasse am Lübbener Paul-Gerhardt-Gymnasium haben dabei nicht nur viel gelernt, sondern auch Bleibendes geschaffen.




Foto: Ingvil Schirling
Vicky Nolde und Carolin Schilf kennen sich jetzt aus in Sachen Muscheln. Die beiden Lübbenerinnen haben während ihres Praktikums beim Biosphärenreservat in Schlepzig Muscheln und Schnecken aus der Spree bestimmt.
Vorsichtig nimmt Carolin eine Muschel in die Hand, setzt die Heißklebepistole an und bringt einen kleinen Punkt Kleber auf. Dann befestigt sie die Muschel in der Mitte einer niedrigen Konsole. Diese ist die jüngste Erweiterung der Ausstellung «Unter Wasser unterwegs» , die in der Außenstelle des Biosphärenreservats in Schlepzig zu sehen ist. Eine ganze Reihe von Muscheln wird jetzt präsentiert, von der knapp einen halben Zentimeter großen Erbsenmuschel bis zur zehn Zentimeter langen Flussmuschel. Deren Gehäuse waren gefunden und beim Biosphärenreservat abgegeben worden. Vicky und Carolin haben sie bestimmt und die Konsole für sie gebaut, diese mit Sand und Wurzeln dekoriert und die Muscheln darauf in Szene gesetzt.
Wer an Muscheln denkt, mag den Ostseestrand vor Augen haben und nicht das Spreefließ vor der Haustür. Doch in den Gewässern der Fließlandschaft leben zahlreiche Muschel- und Schneckenarten. «Teichmuschel, Dreikant- oder Wandermuschel, Kugelmuschel, Malermuschel» , zählen die beiden Praktikantinnen auf. Die Funde im Biosphärenreservat haben sie mit Hilfe einer Vergleichssammlung, in der rund zehn Arten bereits bestimmt waren, und eines dicken Buchs zugeordnet. Dabei haben sie viel gelernt, zum Beispiel, warum die Wandermuscheln ihren Namen haben: «Sie wandern in großen Gruppen» , erklärt Vicky Nolde, «und setzen sich an Pfählen und Steinen fest.» Eine «Lieblingsmuschel» hat sie in den vier Wochen nicht gefunden. «Jede Muschel ist auf ihre Art schön» , sagt sie, «jede ist anders.»
«Es gibt sehr viele Muscheln in der Spree» , ergänzt Carolin Schilf, «und sehr unterschiedliche.» Jede habe einen anderen Lebensraum, manche bräuchten schnellere, andere langsamere Gewässer, fügt Vicky hinzu.
Für die Muschelsammlung als neuesten Teil der ständigen Ausstellung in der alten Mühle fehlt jetzt nur noch die Beschreibung, die die Arten auflistet. Das wollen die beiden Mädchen während der letzten Tage ihres Praktikums in den Griff bekommen. Die Sammlung soll danach kontinuierlich weitergeführt und ausgebaut werden, kündigt Karola Scheinpflug an. Die Mitarbeiterin des Biosphärenreservats hat die beiden Mädchen angeleitet und betreut.
Vicky und Carolin haben sich in den vier Wochen längst nicht nur mit Schnecken und Muscheln beschäftigt. «Wir waren mit den Naturwächtern unterwegs und haben Pflanzen bestimmt» , berichtet Vicky. Vor allem hätten beide bei den vielen Veranstaltungen in den vergangenen Wochen mitgeholfen und sie mitorganisiert, ergänzt Karola Scheinpflug. Insbesondere die Abenteuerwanderung für Grundschulklassen hatte die beiden gefordert: «Wir haben geholfen, die ganzen Stationen vorzubereiten, und geschaut, dass nichts fehlt» , erzählt Carolin. Außerdem betreuten die beiden Jungs und Mädchen aus vierten Klassen, die beim Biosphärenreservat ihr Juniorrangerabzeichen abgelegt haben.
Karola Scheinpflug ist sehr zufrieden mit der Arbeit der beiden Lübbener Gymnasiastinnen. «Sie waren für uns eine große Hilfe» , sagt sie. Carolin bedauert an ihrem Praktikum nur eines: «Schade, dass es schon vorbei ist.»

Zum Thema Die Ausstellung
Die Ausstellung «Unter Wasser unterwegs» im Infozentrum des Biosphärenreservats Schlepzig zeigt das Leben in den Fließen aus ungewöhnlicher Perspektive. Im Schummerlicht des Flussbetts sind Tiere und Pflanzen in ihren Lebensräumen dargestellt. Außerdem wird in der Alten Mühle über den Lebensraum Wald informiert. Die kleine Ausstellung ist bis zum 31. Oktober dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.



Von Ingvil Schirling

"Unter Wasser unterwegs"

heißt die Dauereausstellung in der Außenstelle Schlepzig des Biossphärenreservates Spreewald.

Die Ausstellung ist untergebracht in der ehemaligen Sägemühle, in der Dorfstraße 52.

 

Außenstelle - Biosphärenreservat Spreewald und Naturwacht Unterspreewald

geführte Rad- und Fußwanderungen, Informationen zum Biosphärenreservat, Pflege und Entwicklung des Reservates, ständige kostenlose Ausstellung "Unter Wasser unterwegs"

www.grossschutzgebiete.brandenburg.de/ br_spree/i_ausflugsziele_03.html

16.08.2006 Lausitzer Rundschau
Junge Männer arbeiten im Reservat
Nico Feller verlässt Schlepzig / Silvio Stark beginnt Zivi-Dienst im Spreewald


In zwei Tagen endet für Landschaftspfleger Nico Feller aus Zerkwitz seine Tätigkeit im Biosphärenreservat Spreewald, während dort für den Treppendorfer Zivi Silvio Stark die Arbeit erst vor 16 Tagen begann. Beide junge Männer verbindet die Liebe zur Spreewaldnatur, insbesondere zu deren vielseitiger Tierwelt.



Der Leiter der Schlepziger Reservatsaußenstelle, Arnulf Weingardt, lobt «seine Jungs» Nico Feller (l.) und Silvio Stark.
«Es war schon ein erhebender Moment, als ich erstmals in meinem Leben einen Fischotter am Kockrowsberg zu Gesicht bekam» , erzählt Landschaftspfleger und Forstarbeiter Nico Feller mit einem Leuchten in den Augen. Schließlich bekäme dieses Säugetier nicht jeder zu sehen.
Zum 1. Oktober 2005 trat Nico Feller seine Tätigkeit als Landschaftspfleger im Biosphärenreservat Spreewald an. Zuvor durchlief der schmale 20-Jährige eine Ausbildung zum Waldarbeiter im Amt für Forstwirtschaft Lübben. Nico Feller, der auf einem Bauernhof aufwuchs, wollte damals in den Försterstand eintreten. Nach reiflichen Überlegungen nahm er jedoch davon Abstand: «Ich weiß, wie desolat die berufliche Situation in der Forst aussieht.» Das Angebot des Landesumweltamtes als einer von zwei Landschaftspflegern im Spreewald-Biosphärenreservat Greifvogelstandorte zu kartieren, kam ihm daher gerade recht. «Streifen um Streifen liefen wir mit den Augen nach oben die Baumreihen ab und suchten Greifvogelhorste. Diese wurden dann in die Karte eingetragen» , beschreibt Nico Feller die Arbeit. In die Karten fanden Mäusebussarde, Schwarz- und Rotmilane, Seeadler sowie weitere Arten Eingang. Allerdings bliebe für die Auswertung der Daten keine Zeit mehr. «Wer das übernehmen wird, ist völlig offen» , sagt Arnulf Weingardt, Sachbearbeiter Arten- und Biotopschutz beim Biosphärenreservat.
Die Zeit im Reservat hat ihm hervorragend gefallen, sagt Nico Feller. Eigentlich wäre seine Stelle erst zum 30. September ausgelaufen. «Aber ich will bereits ab der nächsten Woche für mein Fachabitur lernen» , so Feller. Das will er innerhalb von zwei Jahren in der Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung in Lübben ablegen. «Denn wie Wirtschaft funktioniert, interessiert mich auch brennend» , sagt der junge Mann. Ob er irgendwann in die grüne Branche zurückkehre, wisse er noch nicht.

Erst Vögel, dann Informatik
Erste Erfahrungen im Berufsleben will sich auch der Zivildienstleistende Silvio Stark im Biosphärenreservat aneignen. Er trat am 1. August seinen neunmonatigen Dienst in Schlepzig an. «Ich hatte großes Glück, dass ich diese Stelle bekam» , so Stark. Schließlich erhielt er die Zusage erst im Juni. Der 19-jährige Treppendorfer habe sich bewusst für das Reservat entschieden, weil er erwarte, dass hier die Arbeit sehr abwechslungsreich ist und «nicht so öde wie beim Fahrdienst oder im Pflegeheim» . Immerhin durfte Silvio Stark schon Besucher durch die Schlepziger Ausstellung führen und einen Zwischenbericht im Bereich Vogelschutz verfassen. Darin gehe es um Brutvorkommen und die Entwicklung von seltenen Arten wie Schwarzstorch oder Bekassinen, erzählt er. Bald würden Pflegearbeiten im Reservat hinzukommen.
Nach dem Zivildienst will Silvio Stark jedoch die Branche wechseln: «Ich möchte Informatik oder Mechatronik studieren.» Bereits während seiner Zivi-Zeit könne er sich als Access- und Powerpointexperte bewähren.

Lob für «die Jungs»
Arnulf Weingardt ist mit «seinen Jungs» überaus zufrieden: «Die beiden Kollegen sind mal wieder ein echter Lichtblick, denn viele Arbeiten waren liegengeblieben, die sie nun erledigten.» Er schätze an beiden ihre offene, wissbegierige Art und ihr kompetentes Auftreten. «Solche Leute bringen uns voran. Schade, dass wir ihnen keine Dauerbeschäftigung bieten können.»

Von Torsten Richter