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Dorfmühle

 

 

Sie finden die Mühle an der Hauptspree. In dem Gebäude auf der anderen Spreeseite befindet sich, in der ehemaligen Schneidemühle, die Biosphärenreservatsverwaltung mit der Dauereausstellung "Unter Wasser Unterwegs"..

12.01.2005 Anke Richter Lausitzer Rundschau


Von gewitzten Müllern und blonden Frauen
LR-Serie «Wasser-Stätten» : Seit mehr als sechs Jahrhunderten hat Schlepzig eine Mühle


Der Spreewald wäre ohne Wasser undenkbar. Wasser bedeutet Leben. Die RUNDSCHAU blickt mit einer Serie auf bauliche und natürliche Denkmäler der Region. Alle haben im engen oder weiteren Sinn etwas mit der Thematik Wasser zu tun und geben einen Einblick in die vielfältige Nutzung des nassen Elementes. Heute: die Schlepziger Mühle.




Foto: Foto: A. Wawro
Die funktionstüchtige Schaumühle in Schlepzig kann ab Mai wieder besichtigt werden.
Verbindet man die Themen Wasser und Denkmal, liegt der Gedanke an Mühlen nahe. In der Lübbener Region gibt es mehrere. Die Schlepziger Wassermühle zum Beispiel wird zwar nicht mehr als solche genutzt, hat aber noch ein ansehnliches und informatives Innenleben. Der jüngste Teil ihrer Geschichte begann im Mai 2004. Seitdem bewirtschaften Thorsten und Anja Römer, Inhaber des Landgasthofes «Zum grünen Strand der Spree» und der Brauerei, die benachbarte Wassermühle. Ihre Mitarbeiterin Ulrike Geister informierte bis Oktober die Besucher über die Phasen der Mehlherstellung, über Getreidesorten, alte Bäcker- Utensilien und die Geräte in der Mühle. Auch frisches Brot gab es zum Verkosten. Ab Mai wird sie dies wieder tun.

Wie Schlepzig christlich wurde


Dieser jüngsten Geschichte gehen mehr als 630 Jahre voraus, in denen die Mühle die Wirren der Zeiten und viele verschiedene Besitzer überdauerte. 1374 wurde in einer Lehensurkunde erstmals ein Eisenhammer erwähnt, aus dem sich später die Mühle entwickelte. Wie es dazu kam, dass sich Schlepzig vergrößerte, zu einem der ersten christlichen Wenden dörfer wurde und eine Mühle bekam, dazu hat Thorsten Römer eine Legende parat. Diese habe er aus einer Zeitung von 1897: Zur Wenden zeit lebte in Schlepzig der junge kriegerische Fürst Wussilo. Der glaubte an heidnische Götter. Einmal kam er an das östliche Ufer des Schwielochsees, an dem der Ritter Weitbrecht in einer Burg mit seinen Söhnen und seiner einzigen Tochter, der blonden und sehr hübschen Gisela, wohnte. Weitbrecht gewährte Wussilo und seinen Mannen drei Tage Gastrecht. Als sie abreisen wollten, begehrte Wussilo Gisela zur Frau. Weitbrecht weigerte sich, sein christlich erzogenes Kind einem Heiden zu geben.
Der zornige junge Fürst wartete in einem Versteck, bis Weitbrecht mit seinem Gefolge zur Jagd ritt. Dann stürmte er mit seinen Männern die Burg und entführte Gisela. Weitbrecht hatte seiner Tochter eingeimpft, dass sie bei Gefahr seinem Lieblingshund ein rotes Halsband umbinden und zu ihm schicken solle. Dies tat Gisela, bevor sie ohnmächtig in Wussilos Arme sank. Weitbrecht kam noch rechtzeitig, um seine Tochter zu befreien. Wussilo wurde lebensgefährlich verletzt. Der christliche Weitbrecht nahm ihn auf, und Gisela pflegte ihn gesund. Über seine wundersame Genesung war Wussilo so dankbar, dass er zum Christentum übertrat. Nun stand einer Verbindung mit Gisela nichts mehr im Weg und das Paar zog nach Schlepzig. Dort befahl der Fürst allen seinen Untertanen, zum Christentum überzutreten. So die Sage.

Einst ein Hammerwerk


Mit der ersten Erwähnung des Eisenhammers, berichtet Thorsten Römer, falle der Name Hans Schenbub. «Der bekam als Lehen die Mühle und schmiedete Rasenerz darin.» Irgendwann sei die Rasenerzgewinnung im Spreewald aufgegeben worden. «Es wurde Erz aus Sachsen importiert, das war gehaltvoller.» Dem Eisenhammerwerk verdanke Thorsten Römer seine jetzige Beschäftigung. «Auf der Schlacke, die im Hammerwerk anfiel, wurde der erste Gasthof gebaut, auf dem heute der Landgasthof basiert.»
1769 brannten die Mühle, die als Getreidemühle genutzt wurde, und über 50 Häuser ab. 1771 wurde sie als Getreide-, Öl- und Schneidemühle wieder aufgebaut. Johann Gottlieb Streichan hieß der tatkräftige Müller. «Begründer einer wahren Müllerdynastie» , wie Thorsten Römer weiß. «Es gibt heute noch Nachfahren dieser Familie in der Gegend.»

Verkaufs- und Mietplan


Die Linie der Streichhahns in der Schlepziger Mühle reiche bis zu Friedrich Carl Streichan. «Der hatte wohl keinen Nachfolger mehr und verkaufte die Mühle an Ernst Tennert – für 69 000 Mark» , erzählt Römer. Ein Ehrenmeisterbrief von Ernst Tennert für 50 Jahre im Müllerberuf ist noch in der Schlepziger Mühle zu sehen. Ernst Tennert folgte sein Sohn Julius als Müller. Er und sein Bruder Rudolph seien sehr geschäftstüchtig gewesen. «Sie haben die Witwe und die Tochter eines Herrn Riech geheiratet, dem gehörte der Gasthof.» So hätte Julius die Mühle bewirtschaftet und Rudolph den Gasthof geführt.
Überliefert ist, dass Julius Tennert 1920 die Mühle, deren Mühlrad ausgebaut und durch Turbinen ersetzt worden war, an die Provinzialbehörden Brandenburgs verkaufte und pachtete. Damit hoffte er, den Kosten für den Anstau der Spree und die Wartungskosten der Wehre zu entgehen. Der Erlös seines Plans fiel allerdings zum großen Teil der Inflation 1919/1920 zum Opfer.
Über die weitere Mühlengeschichte sagt Thorsten Römer: «Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde noch in der Mühle geschrotet und gemahlen. Sie stand und steht noch im Besitz der Gemeinde.» Die Wende brachte auch für die Mühle ein vorläufiges Ende. Bis 1995 blieben ihre Türen geschlossen. Dann zog, angeregt durch eine örtliche Arbeitsgemeinschaft «Mühle» , die Thorsten Römer leitete, für fünf Jahre der Geist der Restauration ein. «In dieser Zeit» , so Römer, «wurde nicht nur das Gebäude überholt, sondern die alten Mahl- und Schrotgänge durch Mühlenteile aus Thüringen ergänzt.»
Nun beherbergt das Gebäude ein Informationszentrum mit Schaumühle. «Sie ist sogar noch funktionstüchtig» , erklärt Ulrike Geister, die sich mittlerweile bestens in «ihrer» Mühle auskennt und sich schon wieder auf die neue Saison ab Mai freut.

Info zum Thema Öffnungszeiten


Besichtigt werden kann der dreistöckige Mühlenbau mit kleiner Mehl- und Getreideausstellung sowie alten Mühlengeräten an jedem Wochenende zwischen Mai und Oktober in der Zeit von 10 bis 16 Uhr oder nach Voranmeldung für Gruppenführung.




von Anke Richter