Ein Besuchermagnet ist das Bauernmuseum
mit Agrartechnik in Schlepzig. Es ist ein altes Bauerngehöft
aus dem Jahre 1818, das 1985 durch Restaurierung zum Museum wurde.
Der alte Lehmbackofen im Backhaus wird noch angeheizt, um nach
alten Rezepten Kuchen zu backen.
Agrarhistorisches Museum Schlepzig
Mit einer Sammlung von landwirtschaftlichen
Klein- und Großgeräten aus dem Zeitraum von 1900 bis
1980 verdeutlicht das Agrarhistorische Museum die technische Entwicklungen
der Landwirtschaft vom Deutschen Kaiserreich bis in die jüngste
Vergangenheit. Weiterhin wird ein komplett eingerichtetes Wohnhaus
präsentiert, das im Jahre 1818 erbaut wurde.
Dorfstraße 26, 15910 Schlepzig
Telefon: 035472-225
April-Okt.: Di. - So. von 10:00 - 16:00 Uhr
Nov.-März: Mo. - Fr. von 10:00 - 16:00 Uhr
und nach Vereinbarung
e-mail:
tourismus@t-online.de
http://www.bauernmuseum-schlepzig.de
Besuch in der Welt der Spreewald-Bauern
Das Leben auf dem Lande steht an diesem Ort im
Mittelpunkt: Seit mehr als 20 Jahren heißt das Bauernmuseum
im ehemaligen Schlepziger Dorfschulzenhaus von 1818 rund 10 000
Besucher jährlich willkommen.
Noch wenige Tage, dann werden sich die Touristen
wieder die historischen Klinken in die Hände geben. Denn
dann beginnt die Sommersaison im Schlepziger Bauernmuseum. Natürlich
kann es ebenso im Winter besucht werden, auch Führungen sind
möglich. Doch das Gros der Gäste taucht ab April in
die Welt der Spreewälder Bauern zu Beginn des 20. Jahrhunderts
ein.
Rund 10 000 Gäste begrüßt Museumsleiterin
Sabine Kamprad jedes Jahr. Das kann sich sehen lassen für
so einen kleinen Ort wie Schlepzig, schätzt sie ein.
Die zahlreichen Ausstellungsstücke sind aus dem Leben gegriffen
und mit Puppen effektvoll in Szene gesetzt.
In dem gut erhaltenen Bauernhaus, ursprünglich
für den Dorfschulzen gedacht und daher etwas größer
und komfortabler als üblich, werden Möbel, Kleidungsstücke
und unzählige praktische Kleinigkeiten aus den Jahren 1900
bis 1920 ausgestellt. Im Dachgeschoss findet sich eine textliche
Annäherung an die Vergangenheit. Auf großen Plakaten
können Interessierte nachlesen, welche Effekte historische
Entwicklungen auf das Leben der Spreewälder hatten. Auch
der DDR-Zeit sind eine Reihe von Tafeln gewidmet.
Dem Bauernhaus gegenüber liegt die ehemalige
Stallscheune. Sie ist der Darstellung von Land-, Forst- und Fischwirtschaft
gewidmet. Besonderes Augenmerk liegt auf der Flachsstrecke, die
Anbau und Verarbeitung des Leins vom Samen bis zum gemangelten
Kleidungsstück zeigt. Kindern bringt Sabine Kamprad diesen
Teil besonders gern nahe. Ausreichend Webstühle hält
das Museum vor, damit diese sich selbst ausprobieren können.
Auch ans Spinnrad können sich Interessierte setzen. Das Kulinarische
der alten Zeiten soll da nicht zu kurz kommen: Auf Wunsch ist
das Schaubacken möglich, so Sabine Kamprad.
Von Ingvil Schirling
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In Schlepzig klappern noch heute die Webrahmen
Bauernmuseum macht alte Handwerkstechniken erlebbar
Der Spreewald ist reich an handwerklichen Traditionen,
die auch heute noch zu erleben sind: Kahnbauer, ein Holzpantoffelmacher,
eine Blaudruckmeisterin und andere üben wie früher ihre
Handwerke aus. Doch was noch zur Jahrhundertwende in vielen Familien
gang und gäbe war, ist heute ein Fall für das Museum:
das Weben. Wie schwierig das ist, kann an kleinen Web-Rahmen im
Schlepziger Bauernmuseum nachempfunden werden.
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Foto: Ziemer
Vor allem Schüler eignen sich die Web-Technik auf speziellen
Webrahmen an.
Die Weberei war einst ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Region.
Im Reiseführer Spreewald* ist darüber zu
lesen: Noch bis zum 2. Weltkrieg gehörten die zart
blau blühenden Leinfelder zum Erscheinungsbild des Spreewaldes.
(
) In vielen Städten entstanden Leinewebereien (
).
Doch auch in den Dörfern wurde Leinwand gewebt und verkauft.
Die dörflichen Weber waren für die städtischen
eine große Konkurrenz. (
) In den Orten Lübbenau
und Burg entstanden sogar Leineweberfabriken.
Doch die industrielle Produktion machte das aufwändige Verfahren,
aus Flachs Stoffe herzustellen, überflüssig. Noch bis
in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, sagt Museums-Chefin Sabine
Kamprad, sei in Schlepzig gewebt worden. 111 Webstühle und
173 Spinnräder gab es damals in dem Dorf im Unterspreewald.
Fast jeder zweite oder dritte Haushalt hatte einen Webstuhl,
erzählt Sabine Kamprad. Da trafen sich abends Nachbarn,
um Stoffe für den Eigenbedarf herzustellen.
Wenn ein großes Fest anstand, so fuhren die Dorfbewohner
in die Städte, um sich feinere Stoffe zu kaufen und sich
ein Kleid zu nähen. Das hat meine Mutter noch erzählt,
so die Museums-Leiterin. In der großen Scheune auf dem alten
Gehöft, auf das das Museum gezogen ist, hat sie alle Geräte,
die zum Verarbeiten des Flachses notwendig sind, ausgestellt:
Da wird Flachs zu Stroh gekämmt, gehechelt, zu Faden versponnen
und zu Leinen verwebt.
Das Schiffchen wird durchgeschossen
Der Webstuhl stammt aus Biebersdorf und wurde noch um 1920 benutzt.
Wie alt er wirklich ist, kann Sabine Kamprad gar nicht sagen.
Das Wechseln der Fächer, also der vertikal gespannten weißen
Fäden, wird durch die Füße gesteuert. Das Schiffchen,
auf dem sich der zu verwebende Faden befindet, wird durch die
Fächer mit Schwung hindurch geschossen. Das System wirkt
sehr ausgeklügelt und mutet dennoch altertümlich an.
Doch an den Webrahmen wird das Prinzip noch einfacher dargestellt,
und der Webende erfährt sinnlich, wie mühselig das Verfahren
ist.
An diesem Vormittag hat Sabine Kamprad Schüler zu Besuch,
nur Jungen. Die sitzen alle bedächtig bei der Arbeit, unterhalten
sich bereits darüber, wie lange sie diesen Job wohl aushalten
würden. Sie weben etwa 10 Zentimeter breite Lesezeichen,
indem sie das Schiffchen durch die Fächer fädeln und
mit einem Kamm den neuen Faden an die anderen drücken. Je
fester sie das tun, desto dichter wird das Gewebe.
Webstühle für größere Stoffe
Diese Rahmen, erklärt Sabine Kamprad, sind für museumspädagogische
Zwecke geschaffen worden. Früher ging es ja darum,
Stoffe zu weben für Kleidung oder Wäsche, dazu brauchte
man schon einen Webstuhl. Wer heute als Hobby webe, der
habe einen etwas größeren Rahmen, mit dem sich Tischläufer
oder Wandbehänge herstellen lassen. Wer lieber spinnen will,
der kann auch das im Schlepziger Museum. Es würden einige
kommen, die Schafe oder ein altes Spinnrad zu Hause haben, so
die Chefin.
* Hrsg.: Tourismusverband Spreewald, Stadtinfoverlag Berlin, 2000
Fazit:
Kosten: Beiträge für diese Handwerks-Stunden siehe Service.
Zeitaufwand: Es sind anderthalb Stunden einzuplanen.
Kinderfreundlichkeit: Das Weben ist nicht schwer, deshalb ist
es für Kinder mit etwas Geduld gut geeignet.
Top für alle, die Geschichte gern sinnlich erleben und selbst
alte Techniken ausprobieren wollen.
Flop für alle, denen der Anblick eines Webstuhls reicht,
um die Mühen der Großmutter zu verstehen.
Service Anreise
Preise: Weben: 3 Euro pro Person und Stunde. Spinnen: 4 Euro pro
Person und Stunde.
Termine: Nur auf Anfrage unter Tel: 035472 /225.
Anreise: Das Museum befindet sich direkt an der Durchfahrtsstraße
durch Schlepzig. Hinweisschilder führen dorthin.
Von Dörthe Ziemer