Einen sehr ausführlichen
Bericht über die Sielungsgeschichte der Niederlausitz finden
Sie unter:
www.cossenblatt.de
Schon zu Zeiten, als die Wenden
die Lausitz besiedelten, wurde die Siedlungsstelle um die Staustufe
an der Hauptspree von einem jungen Wendenfürsten namens Wussilo
bewirtschaftet. Von diesem jungen, ungestümen Mann ist eine
Legende überliefert:
FÜRST
WUSSILO VON SCHLEPZIG:(draufklicken)
Am 8. August des Jahres 1004
wurden erstmalig die sechs Dörfer in einer Schenkungsurkunde
König Heinrich II. an den Abt Eggihard vom Kloster Nienburg
an der Saale erwähnt. Zur feierlichen Einweihung des Klosterbaus
schenkte er dem Kloster zur Stärkung und als Lebensunterhalt
für seine Brüder die beiden befestigten Ortschaften
(Burgwarde) Triebus und Liubucholi mit ihren Ländereien und
allen Nutzungen. Er wollte damit seinem Namen ein ewiges Andenken
schaffen und sich für seinen Feldzug Gottes Segen und Hilfe
sichern.
ZZum Burgwardbereich gehörten
die sechs Jubiläumsdörfer, deren Ortsnamen wendisch-sorbischer
Herkunft sind und Aussagen über die örtlichen Begebenheiten
und deren Bewohner treffen:
Gröditsch: Grothisti - unter
dem Sumpfgelände
Krausnick: Krusica - Siedlung an der Birnenpflanzung (Wildbirne)
Leibchel: Lubochna oder Liubocholi - am Sumpflaubwald
Leibsch: Liubsi oder Luboch - Name des Ortsinhabers
Pretschen: Mroskina (Mrocna) - nasser, sumpfiger, morastiger Ort
Schlepzig: Zloupisti - am wassereichen Boden auf Pfählen
gebaut
Auch die Flurnamen der Gemarkungen waren wendisch-sorbischer Herkunft.
ORIGINALTEXT
DER URKUNDE IN DER ÜBERSETZUNG
Im 12/13.Jh. gehört Schlepzig
zur Burggrafschaft Lübben
1374 wurde der Hof, auf dem sich
Dorfmühle, die Biosspärenreservatsaussenstelle, die
Spreewälder Privatbrauerei 1788 und der Landgasthof zum grünen
Strand der Spree befinden, urkundlich erwähnt.
Der Schlepziger Hammer.
Der damalige Lehnsmann hieß
Hans Schenbub. Seine Söhne Peter und Hans übernahmen
nach seinem Tod das Recht einen Eisenhammer zu betreiben.Wegen
seiner Lage an einer Spreestaustufe war dort nämlich ein
Eisenhammer errichtet worden, dessen weitere Geschichte sich bis
in das 17. Jahrhundert verfolgen lässt. Es wurde Raseneisenerz
verhüttet. Als später gehaltvolleres Erz aus Sachsen
zur Verfügung stand, wurde der Hammer aufgegeben und es entwickelte
sich eine Säge-, Korn- und Ölmühle daraus. 1769
brannte die Mühle wie viele anderen Gebäude in Schlepzig
ab und so wurde ab 1771 zusätzlich zur wiederaufgebauten
Mühle auch eine Schankwirtschaft gebaut und zwar auf der
Schlacke des alten Eisenhammers. Auf Grund der umfangreichen Raseneisenstein-
vorkommen in der Niederlausitz war der Hammer bis 1700 in Betrieb.
1490 Bau einer Mühle - sog.
Buschmühle als Mahl- und Ölschlagmühle
1614 amtl. Bericht über einen
Geisterseher' (ein wendischer Knecht) und seine Erscheinungen
u. Offenbarungen in Schlepzig
1618-1648 Wussegk"
eine von Fließen umgebene Insel, dort suchten die Menschen
während des 30-jährigen Krieges Zuflucht. Johann Georg
Hutten, der erste Generalsuperintendent der Niederlausitz predigte
hier ungehindert das Evangelium - ein Gedenkstein erinnert an
diese Begebenheit.
1740 an der Stelle des verfallenen
Hammers wurde 1740 eine neue Mühle
gebaut
1769 großes Feuer, vernichtete
die Mühle, 59 Häuser, Pachthaus, Kirche, Pfarr- und
Schulwohnung
1769 Wiederaufbau der Mahl-, Ölschlag-
und Schneidemühle
1769 Holzkirche brannte nieder
1771 brennt auch die Buschmühle
nieder, nach ihrem Wiederaufbau 1788 wurde im Gebäude eine
Walkmühle und Weißgerberei eingerichtet (seit 1910)
nur noch als Wohnraum.
Bau eines neuen Gotteshauses in
Fachwerkbauweise
1815 Schlepzig steht unter preußischer
Herrschaft
1861 erstes Dampfschiff auf der
Spree, welches auch bis Schlepzig kam
1867 Schulbaueinweihung
1890 Telefonleitung Lübben
-Schlepzig in öffentl. Einrichtungen Post, Arzt...
1889 Gründung einer ländl.
Genossenschaft, nach dem Vorbild Raiffeisens
1904 Denkmal auf dem Wussegk enthüllt,
als Andenken an den ersten Generalsuperintendenten Johann Georg
Hutten (1615- 1683) mit gottesdienstlicher Feier
1904 900-Jahr Feier veranstaltet
durch Pfarrer Asselmann
1938 reges Vereinsleben in Schlepziger
Fußballverein(1924), Feuerwehr(1928) Schützenverein
(1860), Kriegerverein (1883), Handwerker-, Gesangs-, Radfahr-,
Turnerverein
1985 Restaurierung Bauernmuseum
(Bauerngehöft aus dem Jahre 1818)
Diese Aufnahme entstand vor
etwa 80 Jahren.
Jetzt ist es ein Bauernmuseum
mit Agrartechnik
Brot, Quark, Leinen alles selbst gemacht
In zwei Jahren wird Schlepzig 1000 Jahre alt / Erinnerungen an
den Alltag der Unterspreewälder
Wenn in zwei Jahren, am 8. August 2004, sechs Gemeinden
nördlich der Kreisstadt Lübben ihre 1000-Jahr-Feier
begehen, dann geht dies auf eine Übereignung König Heinrich
II. an das Kloster Nienburg an der Saale zurück. Die heute
über 80-jährigen Schlepziger sind in ihrem Heimatort
lebende «Geschichtsbücher» . Sie kennen Geschehnisse
in ihrem Ort, die in keinem Buch stehen.
 |
Die Erzählungen von Gertrud Poßling über Schlepzig,
wie es früher war, sind spannender als jedes Geschichtsbuch.Eine
davon ist Gertrud Poßling. Die Schlepziger, erzählt
sie, waren, wie es in den Spreewalddörfern üblich war,
Selbstversorger. Was sie zum täglichen Leben benötigten,
stellten sie selbst her. Dazu gehörte Butter, Quark, Brot,
der Anbau von Flachs, die Verarbeitung zur Leinwand, das Bleichen
der Stoffe, der Anbau von Getreide von der Aussaat bis zur Ernte
(alles per Hand) sowie das Grünfutter holen für die
Tiere.
Der Arbeitstag begann in aller Frühe. Um 5 Uhr war die Nacht
zu Ende. Die Tiere im Stall mussten gemolken werden, damit pünktlich
um 6 Uhr die vollen Kannen auf den Milchrampen zur Abholung bereitstanden.
Denn dann kam der Pferdewagen, später der Traktor, um die
Milchkannen in die Molkerei zu fahren, erinnert sich die Schlepzigerin.
Die Dorfstraße sah damals noch anders aus. Der so genannte
Sommerweg, ein Sandweg mit den ausgefahrenen Spuren von den Kuh-,
Ochsen- und Pferdegespannen, befand sich neben der Pflasterstraße.
Das erste Auto, das es in Schlepzig zu sehen gab, gehörte
Berliner Sommergästen, die ab dem Jahr 1930 regelmäßig
in den Unterspreewald fuhren. Im Ort selbst, so Gertrud Poßling,
besaß die Schlepziger Feuerwehr das erste Auto, Spitzname
«Wildsau» . Der war sicher von der Fahrweise abgeleitet.
Große Familien, enge Räume
Der Alltag der Bewohner des Dorfes im Unterspreewald war hart,
berichtet die Schlepzigern. Die Familien waren groß, zehn
Kinder waren keine Seltenheit. Die Räumlichkeiten im Haus
waren eng, oft wohnten mehrere Generationen unter einem Dach.
Während die kleineren Kinder bei den Eltern schliefen, nächtigten
die größeren auf dem Dachboden des Wohnhauses. Im Winter
legte man stoffumwickelte, vorgewärmte Dach- oder Ziegelsteine
ins Bett, ein sehr wirksames Mittel gegen die Kälte.
Kartoffeln und Brot gehörten in der alten Zeit zu den Hauptnahrungsmitteln.
Jedes Jahr schlachtete man ein oder zwei Schweine. Das Fleisch
wurde, in Fässern oder Steintöpfen eingepökelt,
aufbewahrt. Soviel Fleisch und Wurst wie heute, so Gertrud Poßling,
stand früher nicht auf dem Speiseplan. Alle 14 Tage wurde
Brot gebacken. Von der Ölmühle im Ort holte man alle
vier Wochen Leinöl, das noch heute auf den Spreewälder
Speiseplan gehört.
Für die heranwachsenden Kinder war es selbstverständliche
Pflicht, sich an den häuslichen Arbeiten entsprechend ihres
Alters zu beteiligen. So wuchsen sie in die Arbeit hinein und
bedeuteten eine große Stütze für die Eltern.
Bei der schweren Arbeit auf dem Feld trank man eine Mischung aus
Wasser, Essig und Zucker. Limonade oder Bier leistete man sich
nur bei ganz besonderen Festlichkeiten wie zum Beispiel der Kirmes,
Fastnacht oder dem Schützenfest.
Da man in der Küche mit der so genannten «Küchenmaschine»
kochte, die man mit Holz feuerte, musste man ständig für
das nötige Feuerholz sorgen, erzählt die Schlepziger
Zeitzeugin. Das Holzholen war die eigentliche Winterarbeit. Doch
auch in den anderen Jahreszeiten nahm man bei jeder günstigen
Gelegenheit Holz aus dem Wald mit nach Hause.
Die Küche war der Raum der gemütlichen Kommunikation,
vor allem in der kälteren Jahreszeit. Hier knisterte immer
Feuer im Ofen. Es spendete Wärme, sorgte für warmes
Wasser (ständig stand ein Topf mit heißem Wasser auf
dem Ofen) und diente zum Kochen. Hier wurden Geschichten aus vergangener
Zeit erzählt und die langen Winterabende verbracht.
Dabei empfinden die alten Schlepziger immer wieder, so Gertrud
Poßling, dass «trotz des entbehrungsreichen Lebens
und vieler Beschwerlichkeiten die Zeit nicht so viel von Hass,
Neid und Geldgier geprägt war. Die Menschen hatten weniger,
waren aber zufriedener. Früher half und redete man viel mehr
mit dem Nachbarn, als der Fernseher noch nicht Einzug in die Stuben
gehalten hatte.»
Ausflüge gab es selten
In die Stadt Lübben kam man selten, zumal der Schlepziger
Bahnhof fünf Kilometer außerhalb des Ortes lag. Der
Besitz von Fahrrädern war im Gegensatz zu heute
eine Seltenheit. Das erste Fahrrad fuhr 1906 in Schlepzig. Gertrud
Poßling weiß das auch deshalb noch so genau, weil
es ihrer Mutter Elisabeth Kopsch gehörte.
Neun Gewerke gab es im alten Schlepzig: Zwei Stellmacher, ein
Schneider, Korbflechter, Fleischer, zwei Schmiede, Sattler, Pantoffelmacher,
Friseur und zwei Schuhmacher arbeiteten in dem Unterspreewald-Dorf.
15.07.2005
Wo das Damals das Heute trifft
Der Schlepziger Ernst-August Lehmann taucht in Mollenhauers Hütte
in Vergangenes
«Ich mag alte Sachen» , sagt Ernst-August Lehmann.
So schnörkellos wie dieser Satz über sich selbst sind
seine Mulden, Körbe, Kiepen und Leintücher, die er im
Nebengebäude seines Hofs hütet wie Schätze. Tradition
bedeutet dem Schlepziger viel. Wenn Ernst-August Lehmann seinen
Wurzeln nahe sein will, fährt er mit dem Kahn zu Mollenhauers
Hütte, seinem Lieblingsplatz, im Schlepziger Buchenhain.
 |
Foto: Hottas
Ernst-August Lehmann liebt die Tradition, die hinter Mollenhauers
Hütte steht.
Der Lieblingsplatz von Ernst-August Lehmann hat eine lange Geschichte.
Er ist ein Symbol für die handwerkliche Tradition im Spreewald.
Hier, mitten im Wald und damit an Ort und Stelle, hatten die Schlepziger
vor langer Zeit aus gefällten Erlen- und Pappelstämmen
die Mulden heraus gehauen, in denen sie Brot und Kuchen transportierten
oder Wurst machten. Eine Hütte in einer Lichtung im schattigen
Buchenhain diente ihnen dabei als Werkstatt und Unterkunft.
Damals hieß sie noch «Moldenhauers Hütte»
. Im Lauf der Generationen änderten sich der Name und die
Funktion: Mehr und mehr, so wie die Plastikwannen die Holzmulden
ersetzten, kamen die Menschen nicht mehr zur Arbeit, sondern zum
Vergnügen hierher. In den 20er-Jahren galt die Hütte
als beliebtes Ausflugsziel für junge Leute aus Schlepzig
und Umgebung. Sängertreffen fanden auf der kleinen Lichtung
statt. Die Muldenhauer verschwammen im Nebel der Vergangenheit
und mit ihnen der ursprüngliche Name der Hütte.
Das d verschwand aus «Moldenhauers Hütte» und
wurde zum l in «Mollenhauers Hütte» .
Über die Jahrzehnte wurden die Treffen immer seltener. Die
Hütte verfiel. Zuletzt wussten nur noch Traditions- und Geschichtskundige,
welchen Erinnerungswert dieser Ort für die Spreewälder
hat. Nun gehörte er ganz den Buchen, dem Wasser, seltenen
Blumen und dem Eisvogel.
Distanz zum System
Während die Hütte in einen tiefen Dornröschenschlaf
fiel, wuchs Ernst -August Lehmann in der DDR auf. Während
ihm die Tradition wichtig war, entfernte er sich mehr und mehr
vom politischen System. Mit zwölf Jahren, erzählt Lehmann,
wurde er mit einer kritischen Zeitschrift erwischt, die er zufällig
mit anderen Prospekten eingesammelt hatte. Der Junge musste nach
Cottbus zum Verhör und war gebrandmarkt fürs Leben.
«Auf das System habe ich gar nichts gehalten» , sagt
er. Die Eltern waren Landwirte, er aber ging nicht in die LPG,
war nicht versichert und durfte auch keinen Fischereischein machen.
Später arbeitete er stattdessen als Wasserwirtschaftler.
«Mit der Wende» , sagt Ernst-August Lehmann, «wurde
die Tradition insgesamt besser anerkannt.» Er selbst ging
in den Heimatverein, ist Gemeindevertreter und Vorsitzender der
Fischereigenossenschaft. Lehmann gehört zu den engagierten
Schlepzigern, die in der Arbeit für ihren Ort aufgehen. Dass
die Tradition ihm so wichtig geblieben ist, «ist ein bisschen
anerzogen» , sagt er, auch, dass er Neuem gegenüber
eher skeptisch sei.
Das hat sich über die Wende hinaus gehalten. Von der Traditionspflege,
die nun auch über die großen Feste mit Ausstrahlung
über den Spreewald hinaus wieder mehr Menschen erreichte,
profitierte ebenso die fast vergessene Hütte im Wald. Zur
1000-Jahrfeier von Schlepzig im vorigen Sommer packte die Forst
an. Die Hütte entstand neu. Nun ist sie Ausflugsziel und
Schutzhütte in einem. Sie beherbergt Bänke und eine
Feuerstelle, durch die runde Öffnung im Dach kann der Rauch
abziehen. Die schattige Dunkelheit unter den Buchen, die kühle
und doch geborgene Atmosphäre sind ein Rahmen für eine
Reise in die Vergangenheit, wie er urtümlicher nicht sein
könnte.
In der Hütte wird Ernst-August Lehmann ganz still. Ihm haben
die Schlepziger den Beinamen «Der ewig Lächelnde»
gegeben. Er tanzt für sein Leben gerne und ist gesellig.
Doch dem Innehalten, der respektvollen Erinnerung an harte Arbeit
und entbehrungsreichen Alltag der Spreewälder Handwerker
kann und will er sich hier nicht entziehen.
Zupackende Hände
Lehmanns Hände sind groß, kräftig und schwielig
wie die der Muldenhauer aus früherer Zeit. Dass sie
beim Arbeiten aus Versehen mal den eigenen Finger statt ihren
Werkstoff Holz trafen, wird an der Tagesordnung gewesen sein.
Auch bei Lehmann löst sich gerade die obere, schwarz-blaue
Schicht seines noch dunkleren Zeigefingernagels. Wie er sich verletzte,
kann er schon gar nicht mehr ganz genau sagen. Passiert ist es,
als er mit einem seiner Söhne in der Scheune aufräumte.
Dabei fiel ihm irgendwie ein Eisenteil auf die Hand.
In Mollenhauers Hütte verbindet die Liebe zum Handwerk in
vieler Hinsicht die Vergangenheit mit der Gegenwart. Lehmann wünscht
sich, dass diesen Ort noch viel mehr Menschen besuchen als bisher
und dabei vielleicht auch den Spuren der damaligen Kollegen der
Muldenhauer, der Stellmacher, einen Besuch abstatten. An den Ort,
an dem sie ihr Holz zum Weitertransport mit dem Kahn ablegten,
erinnert nur noch der Name «Stellmachers Ablage» .
Lehmann liegt daran, dass die Spreewälder Tradition nicht
vergessen wird. Manchmal zeigt er deshalb Freunden und Besuchern
die Hütte, erklärt ihnen, was hier geschah und ist zufrieden,
wenn er die Vergangenheit, die im Spreewald noch heute so vieles
erklärt, mit anderen teilen kann.
Info zum Thema Mollenhauers Hütte
Die Schützhütte liegt im Buchenhain bei Schlepzig. Zu
erreichen ist sie vom Ortsausgang Schlepzig aus in Richtung Krausnick.
Nach der Brücke führt eine kleine Straße nach
rechts in den Wald. Von dort aus ist die Hütte bequem zu
Fuß zu erreichen.
Von Ingvil Schirling
22.07.2005
Im Kahn durchs Spreewalddorf gleiten
Schlepzig plant Route durch den Ort
Mit dem Kahn in der Dämmerung durch das Dorf gleiten, einen
Blick auf die Gehöfte werden, die im Laternenschein den romantischen
Spreewald lebendig werden lassen die Schlepziger stellen
sich das schön vor für sich und ihre Gäste. Eine
kleine Kahnfahrt durch ihren Ort könnte nicht nur den Tourismus
voran bringen, sondern hat in ihren Augen noch weitere Vorteile.
Mit einem vorderen Platz auf der Prioritätenliste der ILE-Förderung
ist sie in greifbare Nähe gerückt und war daher Thema
auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Schlepzig.
Eine zusätzliche Route würde die Kahnfahrten im Schlepziger
Gebiet entzerren und das Naturschutzgebiet entlasten. Ideen dafür
gibt es schon lange. Die kleine Route durchs Dorf eigne sich besonders
«abends in der Dämmerung» , sagte Uwe Neumann
vom Heimat- und Traditionsverein, «wenn im Biosphärenreservat
nichts mehr stattfinden sollte» . Sie könne das Dorf
attraktiver machen, ergänzte Bauamtsleiterin Michaela Schudek
vom Amt Unterspreewald. Andere stimmten ihr zu, vor allem wenn
die Schlepziger die Route als Anreiz nehmen, den Blick auf ihre
Gehöfte auch vom Wasser aus lohnenswert zu gestalten.
Neben der Kleinen Kahnfahrt im Dorf ging es in der Sitzung auch
um eine größere Route entlang des Niewafließes.
Günter Schade aus Schlepzig, selbst Kahnfährmann und
von Michaela Schudek als «treibende Kraft des Ganzen»
bezeichnet, erklärte ihren Verlauf. Sie würde das Dorf
nach Süden abschließen und in seinen Augen künftig
möglicherweise zu einer weiteren Erschließung der jetzigen
Wiesen beitragen könnte. Allerdings sei die Entscheidung
eine Kostenfrage.
Wegen eben dieser «waren wir uns einig, dass wir die Kleine
Kahnfahrt favorisieren wollen» , sagte Bürgermeisterin
Heike Noah. «Die Gemeinde ist pragmatisch» , kommentierte
Michaela Schudek vom Amt Unterspreewald. «Was nützt
eine große Kahnfahrt, wenn sie nicht refinanziert werden
kann» , spielte sie auf den Eigenanteil an, den Schlepzig
zu den Fördermitteln über ILE (Integrierte Ländliche
Entwicklung) aufbringen müsste.
Dieser beläuft sich auf 25 Prozent, erklärte Dieter
Irlbacher, der als Vorsitzender des Spreewaldvereins die ILE-geförderten
Projekte in der Region koordiniert. Die Gesamtkosten für
die kleine Kahnroute durch das Dorf sind noch nicht bekannt. Irlbacher
drängte zur Eile: «Bis 2006 muss das Geld ausgegeben
sein.» Er fügte an: «Schlepzig muss schnell sein,
denn wo die Kofinanzierung nicht kommt, wird umdisponiert. Es
sind genug Projekte in der Schublade.»
Von Ingvil Schirling
16.09.2005 Lausitzer Rundschau
Schlepziger träumen von eigener Ortsdurchfahrt
Gemeinde will touristisches Angebot erweitern / Teil 2
Schlepzig. Die Idee ist schon fast zehn Jahre alt, doch bisher
fehlte das Geld dafür: für eine Kahnrundfahrt durch
Schlepzig. Auf der Liste der ILE-Projekte steht sie jetzt ganz
oben. Rund 400 000 Euro müssen dafür bereitstehen, davon
100 000 Euro aus dem Haushalt der Gemeinde. Die hat bereits kräftig
ihre Investitionspauschale dafür gespart.
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Foto: Archivfoto: Adi Wawro
Eine Kahnrundfahrt durch Schlepzig war bisher nicht möglich
(unser Foto zeigt eine Tour, die in dem Dorf startet und in den
Spreewald führt). Mit Hilfe des Programms Integrierte Landliche
Entwicklung (ILE) soll das aber als einstündige Fahrt bald
möglich werden.
Die Schlepziger Kahnfährmänner wollten ihren Gästen
neben dem Unterspreewald gern auch den Ort Schlepzig zeigen. Außerdem
würde es dadurch eine Route geben, die in einer Stunde zu
schaffen ist für Gäste, die wenig Zeit haben.
Die heute üblichen Touren dauern mindestens zwei bis drei
Stunden. Auch ungeübte Paddler könnten sich auf diese
kurze Strecke begeben. Das hätte einen "tollen Effekt"
für Schlepzig, sagt Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine. Ortsbürgermeisterin
Heike Noah nimmt vorsichtig das Wort "Kahnnächte"
in den Mund und lacht. Mit der Ortsdurchfahrt würden sich
eben viele neue Ideen ergeben.
Die Variante, die jetzt konzipiert wird, ist bereits eine abgespeckte,
also billigere Variante. Doch nur sie, betont Kleine, verdiene
wirklich den Namen Ortsdurchfahrt, weil sie so nah an den Häusern
dran sei. Ab der Dammstraße könnte die Route südlich
parallel zur Durchfahrtsstraße über einen Altarm der
Spree verlaufen. Von dort könnte sie nach Norden abbiegen,
über das Fließ am Hotel Müggenberg und über
die Schleuse an "Posslings Eckchen" zurück zum
Ausgangspunkt an der Gaststätte "Zur Reuse" führen.
Die Route soll ausschließlich
in natürlichen Bahnen verlaufen, also ohne Kanäle auskommen.
Dazu müssten der Altarm und die Fließe nördlich
von Schlepzig entkrautet und tiefer gebaggert werden, damit Kähne
darauf fahren und sich in beiden Richtungen begegnen können.
Zudem müssten Brücken und Schleusen erneuert werden.
Für das Konzept werden nach
Aussage von Doris Paetsch vom Bauamt zurzeit die Fördermittel
aus dem ILE-Topf beantragt. Wieviel Geld das tatsächlich
sein wird und wann es kommt, ist derzeit noch ungewiss. Dietrich
Dommain, ILE-Manager beim Spreewaldverein, zeigt sich aber zuversichtlich,
dass es bald losgehen kann. "Die Ortsdurchfahrt steht wegen
ihrer Attraktivität für den Ort ganz oben auf der Liste",
sagt er.
Wenn die Fördermittel bewilligt
sind, werden die Bürger in die Planung einbezogen. Bereits
jetzt hat Heike Noah mit Schlepzigern gesprochen. "Sachliche
Einwände dagegen habe ich noch nicht gehört", sagt
sie. Gerade die Leute, die ihre Grundstücke an der Route
haben, könnten, ähnlich wie in Lehde, kleine Imbissstände
aufmachen oder Gurken verkaufen. So stellt es sich zumindest der
Amtsdirektor vor. "Schließlich lebt Schlepzig vom Tourismus",
begründet er.
H I N T E R G R U N D
Ländliche Entwicklung
Die RUNDSCHAU stellt in loser
Folge die Projekte vor, die in das ILE-Konzept des Landkreises
Dahme-Spreewald aufgenommen wurden.
ILE steht für "Integrierte
ländliche Entwicklung" und ist ein neues Förderprogramm
der Europäischen Union. Es soll die Entwicklung ländlicher
Räume fördern.
Das ILE-Konzept des Kreises sieht
vor, dass sich das Gebiet an Dahme und Spree als lebenswerter
Raum entwickelt, der Arbeit bietet. Dazu werden Projekte an einer
Nord-Süd- und einer Ost-West-Achse gefördert. (dzr)
Von Dörthe Ziemer
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