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1000 Jahre Geschichte und Geschichten

 

Einen sehr ausführlichen Bericht über die Sielungsgeschichte der Niederlausitz finden Sie unter:

www.cossenblatt.de


Schon zu Zeiten, als die Wenden die Lausitz besiedelten, wurde die Siedlungsstelle um die Staustufe an der Hauptspree von einem jungen Wendenfürsten namens Wussilo bewirtschaftet. Von diesem jungen, ungestümen Mann ist eine Legende überliefert:

FÜRST WUSSILO VON SCHLEPZIG:(draufklicken)

Am 8. August des Jahres 1004 wurden erstmalig die sechs Dörfer in einer Schenkungsurkunde König Heinrich II. an den Abt Eggihard vom Kloster Nienburg an der Saale erwähnt. Zur feierlichen Einweihung des Klosterbaus schenkte er dem Kloster zur Stärkung und als Lebensunterhalt für seine Brüder die beiden befestigten Ortschaften (Burgwarde) Triebus und Liubucholi mit ihren Ländereien und allen Nutzungen. Er wollte damit seinem Namen ein ewiges Andenken schaffen und sich für seinen Feldzug Gottes Segen und Hilfe sichern.

ZZum Burgwardbereich gehörten die sechs Jubiläumsdörfer, deren Ortsnamen wendisch-sorbischer Herkunft sind und Aussagen über die örtlichen Begebenheiten und deren Bewohner treffen:

Gröditsch: Grothisti - unter dem Sumpfgelände
Krausnick: Krusica - Siedlung an der Birnenpflanzung (Wildbirne)
Leibchel: Lubochna oder Liubocholi - am Sumpflaubwald
Leibsch: Liubsi oder Luboch - Name des Ortsinhabers
Pretschen: Mroskina (Mrocna) - nasser, sumpfiger, morastiger Ort
Schlepzig: Zloupisti - am wassereichen Boden auf Pfählen gebaut
Auch die Flurnamen der Gemarkungen waren wendisch-sorbischer Herkunft.


 

ORIGINALTEXT DER URKUNDE IN DER ÜBERSETZUNG

 

Im 12/13.Jh. gehört Schlepzig zur Burggrafschaft Lübben

1374 wurde der Hof, auf dem sich Dorfmühle, die Biosspärenreservatsaussenstelle, die Spreewälder Privatbrauerei 1788 und der Landgasthof zum grünen Strand der Spree befinden, urkundlich erwähnt.

Der Schlepziger Hammer.

Der damalige Lehnsmann hieß Hans Schenbub. Seine Söhne Peter und Hans übernahmen nach seinem Tod das Recht einen Eisenhammer zu betreiben.Wegen seiner Lage an einer Spreestaustufe war dort nämlich ein Eisenhammer errichtet worden, dessen weitere Geschichte sich bis in das 17. Jahrhundert verfolgen lässt. Es wurde Raseneisenerz verhüttet. Als später gehaltvolleres Erz aus Sachsen zur Verfügung stand, wurde der Hammer aufgegeben und es entwickelte sich eine Säge-, Korn- und Ölmühle daraus. 1769 brannte die Mühle wie viele anderen Gebäude in Schlepzig ab und so wurde ab 1771 zusätzlich zur wiederaufgebauten Mühle auch eine Schankwirtschaft gebaut und zwar auf der Schlacke des alten Eisenhammers. Auf Grund der umfangreichen Raseneisenstein- vorkommen in der Niederlausitz war der Hammer bis 1700 in Betrieb.

1490 Bau einer Mühle - sog. Buschmühle als Mahl- und Ölschlagmühle

1614 amtl. Bericht über einen „Geisterseher' (ein wendischer Knecht) und seine Erscheinungen u. Offenbarungen in Schlepzig

1618-1648 „Wussegk" eine von Fließen umgebene Insel, dort suchten die Menschen während des 30-jährigen Krieges Zuflucht. Johann Georg Hutten, der erste Generalsuperintendent der Niederlausitz predigte hier ungehindert das Evangelium - ein Gedenkstein erinnert an diese Begebenheit.

1740 an der Stelle des verfallenen Hammers wurde 1740 eine neue Mühle gebaut

1769 großes Feuer, vernichtete die Mühle, 59 Häuser, Pachthaus, Kirche, Pfarr- und Schulwohnung

1769 Wiederaufbau der Mahl-, Ölschlag- und Schneidemühle

1769 Holzkirche brannte nieder

1771 brennt auch die Buschmühle nieder, nach ihrem Wiederaufbau 1788 wurde im Gebäude eine Walkmühle und Weißgerberei eingerichtet (seit 1910) nur noch als Wohnraum.

Bau eines neuen Gotteshauses in Fachwerkbauweise


1815 Schlepzig steht unter preußischer Herrschaft

1861 erstes Dampfschiff auf der Spree, welches auch bis Schlepzig kam

1867 Schulbaueinweihung

1890 Telefonleitung Lübben -Schlepzig in öffentl. Einrichtungen Post, Arzt...

1889 Gründung einer ländl. Genossenschaft, nach dem Vorbild Raiffeisens

1904 Denkmal auf dem Wussegk enthüllt, als Andenken an den ersten Generalsuperintendenten Johann Georg Hutten (1615- 1683) mit gottesdienstlicher Feier

1904 900-Jahr Feier veranstaltet durch Pfarrer Asselmann

1938 reges Vereinsleben in Schlepziger Fußballverein(1924), Feuerwehr(1928) Schützenverein (1860), Kriegerverein (1883), Handwerker-, Gesangs-, Radfahr-, Turnerverein

1985 Restaurierung Bauernmuseum (Bauerngehöft aus dem Jahre 1818)

Diese Aufnahme entstand vor
etwa 80 Jahren.

Jetzt ist es ein Bauernmuseum
mit Agrartechnik

 



Brot, Quark, Leinen – alles selbst gemacht
In zwei Jahren wird Schlepzig 1000 Jahre alt / Erinnerungen an den Alltag der Unterspreewälder


Wenn in zwei Jahren, am 8. August 2004, sechs Gemeinden nördlich der Kreisstadt Lübben ihre 1000-Jahr-Feier begehen, dann geht dies auf eine Übereignung König Heinrich II. an das Kloster Nienburg an der Saale zurück. Die heute über 80-jährigen Schlepziger sind in ihrem Heimatort lebende «Geschichtsbücher» . Sie kennen Geschehnisse in ihrem Ort, die in keinem Buch stehen.

 


Die Erzählungen von Gertrud Poßling über Schlepzig, wie es früher war, sind spannender als jedes Geschichtsbuch.Eine davon ist Gertrud Poßling. Die Schlepziger, erzählt sie, waren, wie es in den Spreewalddörfern üblich war, Selbstversorger. Was sie zum täglichen Leben benötigten, stellten sie selbst her. Dazu gehörte Butter, Quark, Brot, der Anbau von Flachs, die Verarbeitung zur Leinwand, das Bleichen der Stoffe, der Anbau von Getreide von der Aussaat bis zur Ernte (alles per Hand) sowie das Grünfutter holen für die Tiere.
Der Arbeitstag begann in aller Frühe. Um 5 Uhr war die Nacht zu Ende. Die Tiere im Stall mussten gemolken werden, damit pünktlich um 6 Uhr die vollen Kannen auf den Milchrampen zur Abholung bereitstanden. Denn dann kam der Pferdewagen, später der Traktor, um die Milchkannen in die Molkerei zu fahren, erinnert sich die Schlepzigerin.
Die Dorfstraße sah damals noch anders aus. Der so genannte Sommerweg, ein Sandweg mit den ausgefahrenen Spuren von den Kuh-, Ochsen- und Pferdegespannen, befand sich neben der Pflasterstraße.
Das erste Auto, das es in Schlepzig zu sehen gab, gehörte Berliner Sommergästen, die ab dem Jahr 1930 regelmäßig in den Unterspreewald fuhren. Im Ort selbst, so Gertrud Poßling, besaß die Schlepziger Feuerwehr das erste Auto, Spitzname «Wildsau» . Der war sicher von der Fahrweise abgeleitet.

Große Familien, enge Räume


Der Alltag der Bewohner des Dorfes im Unterspreewald war hart, berichtet die Schlepzigern. Die Familien waren groß, zehn Kinder waren keine Seltenheit. Die Räumlichkeiten im Haus waren eng, oft wohnten mehrere Generationen unter einem Dach. Während die kleineren Kinder bei den Eltern schliefen, nächtigten die größeren auf dem Dachboden des Wohnhauses. Im Winter legte man stoffumwickelte, vorgewärmte Dach- oder Ziegelsteine ins Bett, ein sehr wirksames Mittel gegen die Kälte.
Kartoffeln und Brot gehörten in der alten Zeit zu den Hauptnahrungsmitteln. Jedes Jahr schlachtete man ein oder zwei Schweine. Das Fleisch wurde, in Fässern oder Steintöpfen eingepökelt, aufbewahrt. Soviel Fleisch und Wurst wie heute, so Gertrud Poßling, stand früher nicht auf dem Speiseplan. Alle 14 Tage wurde Brot gebacken. Von der Ölmühle im Ort holte man alle vier Wochen Leinöl, das noch heute auf den Spreewälder Speiseplan gehört.
Für die heranwachsenden Kinder war es selbstverständliche Pflicht, sich an den häuslichen Arbeiten entsprechend ihres Alters zu beteiligen. So wuchsen sie in die Arbeit hinein und bedeuteten eine große Stütze für die Eltern.
Bei der schweren Arbeit auf dem Feld trank man eine Mischung aus Wasser, Essig und Zucker. Limonade oder Bier leistete man sich nur bei ganz besonderen Festlichkeiten wie zum Beispiel der Kirmes, Fastnacht oder dem Schützenfest.
Da man in der Küche mit der so genannten «Küchenmaschine» kochte, die man mit Holz feuerte, musste man ständig für das nötige Feuerholz sorgen, erzählt die Schlepziger Zeitzeugin. Das Holzholen war die eigentliche Winterarbeit. Doch auch in den anderen Jahreszeiten nahm man bei jeder günstigen Gelegenheit Holz aus dem Wald mit nach Hause.
Die Küche war der Raum der gemütlichen Kommunikation, vor allem in der kälteren Jahreszeit. Hier knisterte immer Feuer im Ofen. Es spendete Wärme, sorgte für warmes Wasser (ständig stand ein Topf mit heißem Wasser auf dem Ofen) und diente zum Kochen. Hier wurden Geschichten aus vergangener Zeit erzählt und die langen Winterabende verbracht.
Dabei empfinden die alten Schlepziger immer wieder, so Gertrud Poßling, dass «trotz des entbehrungsreichen Lebens und vieler Beschwerlichkeiten die Zeit nicht so viel von Hass, Neid und Geldgier geprägt war. Die Menschen hatten weniger, waren aber zufriedener. Früher half und redete man viel mehr mit dem Nachbarn, als der Fernseher noch nicht Einzug in die Stuben gehalten hatte.»

Ausflüge gab es selten


In die Stadt Lübben kam man selten, zumal der Schlepziger Bahnhof fünf Kilometer außerhalb des Ortes lag. Der Besitz von Fahrrädern war – im Gegensatz zu heute – eine Seltenheit. Das erste Fahrrad fuhr 1906 in Schlepzig. Gertrud Poßling weiß das auch deshalb noch so genau, weil es ihrer Mutter Elisabeth Kopsch gehörte.
Neun Gewerke gab es im alten Schlepzig: Zwei Stellmacher, ein Schneider, Korbflechter, Fleischer, zwei Schmiede, Sattler, Pantoffelmacher, Friseur und zwei Schuhmacher arbeiteten in dem Unterspreewald-Dorf.

15.07.2005
Wo das Damals das Heute trifft
Der Schlepziger Ernst-August Lehmann taucht in Mollenhauers Hütte in Vergangenes


«Ich mag alte Sachen» , sagt Ernst-August Lehmann. So schnörkellos wie dieser Satz über sich selbst sind seine Mulden, Körbe, Kiepen und Leintücher, die er im Nebengebäude seines Hofs hütet wie Schätze. Tradition bedeutet dem Schlepziger viel. Wenn Ernst-August Lehmann seinen Wurzeln nahe sein will, fährt er mit dem Kahn zu Mollenhauers Hütte, seinem Lieblingsplatz, im Schlepziger Buchenhain.


Foto: Hottas
Ernst-August Lehmann liebt die Tradition, die hinter Mollenhauers Hütte steht.
Der Lieblingsplatz von Ernst-August Lehmann hat eine lange Geschichte. Er ist ein Symbol für die handwerkliche Tradition im Spreewald. Hier, mitten im Wald und damit an Ort und Stelle, hatten die Schlepziger vor langer Zeit aus gefällten Erlen- und Pappelstämmen die Mulden heraus gehauen, in denen sie Brot und Kuchen transportierten oder Wurst machten. Eine Hütte in einer Lichtung im schattigen Buchenhain diente ihnen dabei als Werkstatt und Unterkunft.
Damals hieß sie noch «Moldenhauers Hütte» . Im Lauf der Generationen änderten sich der Name und die Funktion: Mehr und mehr, so wie die Plastikwannen die Holzmulden ersetzten, kamen die Menschen nicht mehr zur Arbeit, sondern zum Vergnügen hierher. In den 20er-Jahren galt die Hütte als beliebtes Ausflugsziel für junge Leute aus Schlepzig und Umgebung. Sängertreffen fanden auf der kleinen Lichtung statt. Die Muldenhauer verschwammen im Nebel der Vergangenheit – und mit ihnen der ursprüngliche Name der Hütte. Das d verschwand aus «Moldenhauers Hütte» und wurde zum l in «Mollenhauers Hütte» .
Über die Jahrzehnte wurden die Treffen immer seltener. Die Hütte verfiel. Zuletzt wussten nur noch Traditions- und Geschichtskundige, welchen Erinnerungswert dieser Ort für die Spreewälder hat. Nun gehörte er ganz den Buchen, dem Wasser, seltenen Blumen und dem Eisvogel.

Distanz zum System
Während die Hütte in einen tiefen Dornröschenschlaf fiel, wuchs Ernst -August Lehmann in der DDR auf. Während ihm die Tradition wichtig war, entfernte er sich mehr und mehr vom politischen System. Mit zwölf Jahren, erzählt Lehmann, wurde er mit einer kritischen Zeitschrift erwischt, die er zufällig mit anderen Prospekten eingesammelt hatte. Der Junge musste nach Cottbus zum Verhör und war gebrandmarkt fürs Leben. «Auf das System habe ich gar nichts gehalten» , sagt er. Die Eltern waren Landwirte, er aber ging nicht in die LPG, war nicht versichert und durfte auch keinen Fischereischein machen. Später arbeitete er stattdessen als Wasserwirtschaftler.
«Mit der Wende» , sagt Ernst-August Lehmann, «wurde die Tradition insgesamt besser anerkannt.» Er selbst ging in den Heimatverein, ist Gemeindevertreter und Vorsitzender der Fischereigenossenschaft. Lehmann gehört zu den engagierten Schlepzigern, die in der Arbeit für ihren Ort aufgehen. Dass die Tradition ihm so wichtig geblieben ist, «ist ein bisschen anerzogen» , sagt er, auch, dass er Neuem gegenüber eher skeptisch sei.
Das hat sich über die Wende hinaus gehalten. Von der Traditionspflege, die nun auch über die großen Feste mit Ausstrahlung über den Spreewald hinaus wieder mehr Menschen erreichte, profitierte ebenso die fast vergessene Hütte im Wald. Zur 1000-Jahrfeier von Schlepzig im vorigen Sommer packte die Forst an. Die Hütte entstand neu. Nun ist sie Ausflugsziel und Schutzhütte in einem. Sie beherbergt Bänke und eine Feuerstelle, durch die runde Öffnung im Dach kann der Rauch abziehen. Die schattige Dunkelheit unter den Buchen, die kühle und doch geborgene Atmosphäre sind ein Rahmen für eine Reise in die Vergangenheit, wie er urtümlicher nicht sein könnte.
In der Hütte wird Ernst-August Lehmann ganz still. Ihm haben die Schlepziger den Beinamen «Der ewig Lächelnde» gegeben. Er tanzt für sein Leben gerne und ist gesellig. Doch dem Innehalten, der respektvollen Erinnerung an harte Arbeit und entbehrungsreichen Alltag der Spreewälder Handwerker kann und will er sich hier nicht entziehen.

Zupackende Hände
Lehmanns Hände sind groß, kräftig und schwielig – wie die der Muldenhauer aus früherer Zeit. Dass sie beim Arbeiten aus Versehen mal den eigenen Finger statt ihren Werkstoff Holz trafen, wird an der Tagesordnung gewesen sein. Auch bei Lehmann löst sich gerade die obere, schwarz-blaue Schicht seines noch dunkleren Zeigefingernagels. Wie er sich verletzte, kann er schon gar nicht mehr ganz genau sagen. Passiert ist es, als er mit einem seiner Söhne in der Scheune aufräumte. Dabei fiel ihm irgendwie ein Eisenteil auf die Hand.
In Mollenhauers Hütte verbindet die Liebe zum Handwerk in vieler Hinsicht die Vergangenheit mit der Gegenwart. Lehmann wünscht sich, dass diesen Ort noch viel mehr Menschen besuchen als bisher und dabei vielleicht auch den Spuren der damaligen Kollegen der Muldenhauer, der Stellmacher, einen Besuch abstatten. An den Ort, an dem sie ihr Holz zum Weitertransport mit dem Kahn ablegten, erinnert nur noch der Name «Stellmachers Ablage» .
Lehmann liegt daran, dass die Spreewälder Tradition nicht vergessen wird. Manchmal zeigt er deshalb Freunden und Besuchern die Hütte, erklärt ihnen, was hier geschah und ist zufrieden, wenn er die Vergangenheit, die im Spreewald noch heute so vieles erklärt, mit anderen teilen kann.

Info zum Thema Mollenhauers Hütte
Die Schützhütte liegt im Buchenhain bei Schlepzig. Zu erreichen ist sie vom Ortsausgang Schlepzig aus in Richtung Krausnick. Nach der Brücke führt eine kleine Straße nach rechts in den Wald. Von dort aus ist die Hütte bequem zu Fuß zu erreichen.



Von Ingvil Schirling

22.07.2005
Im Kahn durchs Spreewalddorf gleiten
Schlepzig plant Route durch den Ort


Mit dem Kahn in der Dämmerung durch das Dorf gleiten, einen Blick auf die Gehöfte werden, die im Laternenschein den romantischen Spreewald lebendig werden lassen – die Schlepziger stellen sich das schön vor für sich und ihre Gäste. Eine kleine Kahnfahrt durch ihren Ort könnte nicht nur den Tourismus voran bringen, sondern hat in ihren Augen noch weitere Vorteile. Mit einem vorderen Platz auf der Prioritätenliste der ILE-Förderung ist sie in greifbare Nähe gerückt und war daher Thema auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Schlepzig.


Eine zusätzliche Route würde die Kahnfahrten im Schlepziger Gebiet entzerren und das Naturschutzgebiet entlasten. Ideen dafür gibt es schon lange. Die kleine Route durchs Dorf eigne sich besonders «abends in der Dämmerung» , sagte Uwe Neumann vom Heimat- und Traditionsverein, «wenn im Biosphärenreservat nichts mehr stattfinden sollte» . Sie könne das Dorf attraktiver machen, ergänzte Bauamtsleiterin Michaela Schudek vom Amt Unterspreewald. Andere stimmten ihr zu, vor allem wenn die Schlepziger die Route als Anreiz nehmen, den Blick auf ihre Gehöfte auch vom Wasser aus lohnenswert zu gestalten.
Neben der Kleinen Kahnfahrt im Dorf ging es in der Sitzung auch um eine größere Route entlang des Niewafließes. Günter Schade aus Schlepzig, selbst Kahnfährmann und von Michaela Schudek als «treibende Kraft des Ganzen» bezeichnet, erklärte ihren Verlauf. Sie würde das Dorf nach Süden abschließen und in seinen Augen künftig möglicherweise zu einer weiteren Erschließung der jetzigen Wiesen beitragen könnte. Allerdings sei die Entscheidung eine Kostenfrage.
Wegen eben dieser «waren wir uns einig, dass wir die Kleine Kahnfahrt favorisieren wollen» , sagte Bürgermeisterin Heike Noah. «Die Gemeinde ist pragmatisch» , kommentierte Michaela Schudek vom Amt Unterspreewald. «Was nützt eine große Kahnfahrt, wenn sie nicht refinanziert werden kann» , spielte sie auf den Eigenanteil an, den Schlepzig zu den Fördermitteln über ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung) aufbringen müsste.
Dieser beläuft sich auf 25 Prozent, erklärte Dieter Irlbacher, der als Vorsitzender des Spreewaldvereins die ILE-geförderten Projekte in der Region koordiniert. Die Gesamtkosten für die kleine Kahnroute durch das Dorf sind noch nicht bekannt. Irlbacher drängte zur Eile: «Bis 2006 muss das Geld ausgegeben sein.» Er fügte an: «Schlepzig muss schnell sein, denn wo die Kofinanzierung nicht kommt, wird umdisponiert. Es sind genug Projekte in der Schublade.»

Von Ingvil Schirling


16.09.2005 Lausitzer Rundschau
Schlepziger träumen von eigener Ortsdurchfahrt
Gemeinde will touristisches Angebot erweitern / Teil 2


Schlepzig. Die Idee ist schon fast zehn Jahre alt, doch bisher fehlte das Geld dafür: für eine Kahnrundfahrt durch Schlepzig. Auf der Liste der ILE-Projekte steht sie jetzt ganz oben. Rund 400 000 Euro müssen dafür bereitstehen, davon 100 000 Euro aus dem Haushalt der Gemeinde. Die hat bereits kräftig ihre Investitionspauschale dafür gespart.

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Foto: Archivfoto: Adi Wawro
Eine Kahnrundfahrt durch Schlepzig war bisher nicht möglich (unser Foto zeigt eine Tour, die in dem Dorf startet und in den Spreewald führt). Mit Hilfe des Programms Integrierte Landliche Entwicklung (ILE) soll das aber als einstündige Fahrt bald möglich werden.
Die Schlepziger Kahnfährmänner wollten ihren Gästen neben dem Unterspreewald gern auch den Ort Schlepzig zeigen. Außerdem würde es dadurch eine Route geben, die in einer Stunde zu schaffen ist – für Gäste, die wenig Zeit haben. Die heute üblichen Touren dauern mindestens zwei bis drei Stunden. Auch ungeübte Paddler könnten sich auf diese kurze Strecke begeben. Das hätte einen "tollen Effekt" für Schlepzig, sagt Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine. Ortsbürgermeisterin Heike Noah nimmt vorsichtig das Wort "Kahnnächte" in den Mund und lacht. Mit der Ortsdurchfahrt würden sich eben viele neue Ideen ergeben.
Die Variante, die jetzt konzipiert wird, ist bereits eine abgespeckte, also billigere Variante. Doch nur sie, betont Kleine, verdiene wirklich den Namen Ortsdurchfahrt, weil sie so nah an den Häusern dran sei. Ab der Dammstraße könnte die Route südlich parallel zur Durchfahrtsstraße über einen Altarm der Spree verlaufen. Von dort könnte sie nach Norden abbiegen, über das Fließ am Hotel Müggenberg und über die Schleuse an "Posslings Eckchen" zurück zum Ausgangspunkt an der Gaststätte "Zur Reuse" führen.

Die Route soll ausschließlich in natürlichen Bahnen verlaufen, also ohne Kanäle auskommen. Dazu müssten der Altarm und die Fließe nördlich von Schlepzig entkrautet und tiefer gebaggert werden, damit Kähne darauf fahren und sich in beiden Richtungen begegnen können. Zudem müssten Brücken und Schleusen erneuert werden.

Für das Konzept werden nach Aussage von Doris Paetsch vom Bauamt zurzeit die Fördermittel aus dem ILE-Topf beantragt. Wieviel Geld das tatsächlich sein wird und wann es kommt, ist derzeit noch ungewiss. Dietrich Dommain, ILE-Manager beim Spreewaldverein, zeigt sich aber zuversichtlich, dass es bald losgehen kann. "Die Ortsdurchfahrt steht wegen ihrer Attraktivität für den Ort ganz oben auf der Liste", sagt er.

Wenn die Fördermittel bewilligt sind, werden die Bürger in die Planung einbezogen. Bereits jetzt hat Heike Noah mit Schlepzigern gesprochen. "Sachliche Einwände dagegen habe ich noch nicht gehört", sagt sie. Gerade die Leute, die ihre Grundstücke an der Route haben, könnten, ähnlich wie in Lehde, kleine Imbissstände aufmachen oder Gurken verkaufen. So stellt es sich zumindest der Amtsdirektor vor. "Schließlich lebt Schlepzig vom Tourismus", begründet er.

H I N T E R G R U N D

Ländliche Entwicklung

Die RUNDSCHAU stellt in loser Folge die Projekte vor, die in das ILE-Konzept des Landkreises Dahme-Spreewald aufgenommen wurden.

ILE steht für "Integrierte ländliche Entwicklung" und ist ein neues Förderprogramm der Europäischen Union. Es soll die Entwicklung ländlicher Räume fördern.

Das ILE-Konzept des Kreises sieht vor, dass sich das Gebiet an Dahme und Spree als lebenswerter Raum entwickelt, der Arbeit bietet. Dazu werden Projekte an einer Nord-Süd- und einer Ost-West-Achse gefördert. (dzr)


Von Dörthe Ziemer

 

 

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